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Mecklenburg-Vorpommern : Rekord-Exodus aus der Kirche

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zahl der Austritte aus der Nordkirche stark angestiegen / Ursache wohl Änderung beim Einzug von Kirchensteuern auf Kapitalerträge

Die Zahl der Kirchenaustritte steuert auf einen neuen Höchststand seit dem Jahr 2000 zu. „Im ersten Halbjahr hat es in der Nordkirche möglicherweise einen Anstieg um 50 Prozent und mehr gegeben“, sagte Kirchensprecher Frank Zabel in Schwerin.

Auch das katholische Erzbistum Hamburg verzeichne bereits seit Ende 2013 einen hohen Aderlass an Mitgliedern, sagte Pressesprecher Manfred Nielen, ohne konkrete Zahlen nennen zu können. „Mit der Debatte um den inzwischen zurückgetretenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst begann die negative Entwicklung.“

Im Jahr 2000 hatte es in den evangelischen Landeskirchen Nordelbien, Mecklenburg und Pommern 27 529 Kirchenaustritte gegeben, 2013 waren es 23 970. Die drei Landeskirchen bilden seit Pfingsten 2012 die Nordkirche mit 2,2 Millionen Mitgliedern. Zabel: „Als Hauptgrund ist eine rein bürokratische Änderung zu vermuten, die aber keine zusätzliche finanzielle Belastung bedeutet – es gibt keine neue Steuer und auch keine Erhöhung.“

Was ist neu? Bisher war die Kirchensteuer auf Kapitalerträge bei der Steuererklärung fällig. Ab 2015 wird diese Kirchensteuer direkt von den Banken abgezogen. Die Steuersätze bleiben unverändert. „Wer den automatisierten Erhebungsweg nach staatlichen Vorgaben nicht möchte, kann beim Bundeszentralamt für Steuern widersprechen – dann bleibt alles wie bisher“, sagte Zabel.

Insgesamt seien nur wenige Kirchenmitglieder von der Kapitalertragsteuer und damit der entsprechenden Kirchensteuer betroffen, sagte Zabel und verwies auf die Freibeträge von 801 Euro für Singles und 1602 Euro für Paare. Als Beispiel rechnete er vor: Erhält ein Single 901 Euro Zinsen im Jahr, muss er auf 100 Euro die staatliche Kapitalertragsteuer zahlen. Das sind statt 25 Euro für Kirchenmitglieder nur 24,45 Euro, denn die Kirchensteuer ist wiederum abzugsfähig. Hinzu kommen etwa 2,20 Euro Kirchensteuer jährlich (in der Nordkirche 9 Prozent der Kapitalertragsteuer).

Zabel betonte: „Einige Informationsschreiben von Banken und Sparkassen sowie Formulierungen auf Kontoauszügen haben unserer Kenntnis nach für Irritationen bei Kunden gesorgt. Manche hatten wohl irrtümlich geglaubt, es würde eine neue Steuer eingeführt.“

Das Phänomen Kirchenaustritte hat nach Einschätzung Zabels teils sehr emotionale Ursachen. „Die Diskussion um den katholischen Bischof Tebartz-van Elst hat beispielsweise auch in der evangelischen Nordkirche zu höheren Austrittszahlen geführt.“ Jeder Austritt sei natürlich zu respektieren, aber auch gesamtgesellschaftlich zu bedauern. Denn die Kirche nutze die Kirchensteuereinnahmen auch für viele soziale Aufgaben in der Gesellschaft.

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