Bürgermeister hört auf : Reinhard Dettmann - ein Glücksfall für Teterow

Bürgermeister Reinhard Dettmann steht in seinem Büro im Rathaus.
Bürgermeister Reinhard Dettmann steht in seinem Büro im Rathaus.

Ära von Bürgermeister Reinhard Dettmann endet nach 27 Jahren

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23. März 2018, 20:30 Uhr

In MV stehen die ersten Bürgermeisterwahlen 2018 an und damit rückt der Abschied für Reinhard Dettmann (67) näher. Der parteilose Bürgermeister von Teterow ist seit 1990 im Amt und tritt aus Altersgründen nicht mehr an. „Dettmann ist als Bürgermeister ein Glücksfall nicht nur für Teterow, sondern für das ganze Land“, sagt die Geschäftsführerin des Unternehmerverbandes Rostock-Mittleres Mecklenburg, Manuela Balan. „Reinhard Dettmann ist ein Mensch mit innerer Stärke, klarer Orientierung und scheut vor deutlichen Worten nicht zurück“, sagt Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU).

Teterow hatte es nach 1990 nicht einfach. Damals war die Quote der Arbeitslosen im damaligen Altkreis Teterow auf mehr als 30 Prozent gestiegen. Inzwischen hat die 9000-Einwohner-Stadt mit viel Hilfe und Glück rund 1000 neue Arbeitsplätze sichern können. „Das haben nicht viele Städte dieser Größenordnung geschafft“, sagt Balan. „Wir sind ein Mittelzentrum und jetzt, was die Arbeit betrifft, eine Einpendlerstadt“, freut sich Dettmann.

Dabei war der Weg des Physikers als Bürgermeister nicht vorgezeichnet. Dettmann stammt aus Teterow, arbeitete bis 1990 aber in der medizinischen Stimm- und Sprachakustik in Rostock. Im Zuge der Wende trat er dem Neuen Forum Teterow bei. „Bei der ersten Reise nach Bremen 1989 sprach mich ein Bekannter an, dass wir das Land auch aufbauen müssten“, erzählt Dettmann. Von Gewerbegebieten, Planungen und vielem anderen sei die Rede gewesen. Schließlich wurde der Physiker am 6. Juni 1990 zum Bürgermeister gewählt. „Um 21.27 Uhr und mit 27 von 28 Stimmen“, weiß er heute noch.

Das Vertrauen der Stadtvertreter und Einwohner behielt Dettmann, der das Plattdeutsche liebt und pflegt. Er wurde immer wieder bestätigt, zuletzt 2010 mit 80 Prozent der Stimmen. Nach 1990 schlossen unter anderem das Panzerreparaturwerk und ein großer Bekleidungsbetrieb. Wo damals genäht wurde, werden heute Schiffslampen hergestellt. Besonders stolz ist Dettmann auf die Gesundheitsbranche. Mit dem Aushängeschild Miltenyi Biotec und einem weiteren Betrieb entfallen allein 500 Arbeitsplätze darauf. „Hier hat uns das Gesundheitsnetzwerk um Klinkmann sehr geholfen“, sagt Dettmann. Klinkmann ist ebenfalls Teterower.

Als eine der ersten Kommunen im Land hatte die Stadt 1998 eines der ersten Biomedizin-Zentren gegründet. Dort starteten viele Existenzgründer, das ganze Gewerbegebiet ist ausgelastet. Dann brauchte Teterow 2002 nochmal viel Glück. Die größte Neuansiedlung – die damalige Firma Plasmaselect – scheiterte nach ihren Börsengang. Doch die Firma Miltenyi übernahm das Gelände und will wieder erweitern. „Wir haben deshalb das Biomedizintechnikum an die Firma verkauft“, sagt der Bürgermeister. Als Aushängeschild für Teterow gilt auch der größte Schlachthof im Nordosten, der vollkommen neu am Stadtrand gebaut wurde. Die Stadt, die von sich selbst behauptet, der geografische Mittelpunkt von MV zu sein, verhandelt gerade mit der Kirche über Land für weitere Gewerbeflächen.

Im Bürgermeister-Büro hängt zeitgenössische Kunst, er ist Dauergast auf Ausstellungen und hat den Kauf des Bahnhofs erreicht, aus dem ein „Kulturbahnhof mit Galerie“ wurde. Wenn man den beliebten Kommunalpolitiker fragt, was er hätte besser machen sollen, fallen ihm zuerst die leeren Geschäfte in der Kleinstadt ein. „Wir hätten auf die Umwälzungen im Handel schneller reagieren müssen“, sagt er.

Im Juni endet Dettmanns Bürgermeister-Zeit. Danach soll mehr Zeit für seine vier Kinder und drei Enkel sein.

Sechs Männer wollen am Sonntag Dettmanns Nachfolger werden. Es wird mit einer Stichwahl gerechnet.

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