Keiner putzt reiner! : Reinemachen im Theater

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Großer Auftritt für Deutschlands beste Gebäudereiniger-Gesellen in Schwerin

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12. November 2015, 20:30 Uhr

Tief beugt sich Angelo Scholz aus Schleswig-Holstein über das Toilettenbecken, wischt hier nach und schrubbt dort mit Lappen und Bürste. Schließlich knipst er eine kleine Taschenlampe an und prüft wie ein Detektiv die glänzende Keramik. „Damit siehst du jede Schliere.“

Scholz gehört zu Deutschlands besten Gebäudereiniger-Gesellen, die seit diesem Sommer in Länderrunden bestimmt wurden. Gestern traten acht der Nachwuchshandwerker im Staatstheater Schwerin zum Bundesleistungswettbewerb im Putzen an.

Die Prüfungsaufgaben in dem um 1886 errichteten Theatergebäude hatten es in sich. Im Foyer war ein Natursteinboden zu wienern, wie Jury-Vorsitzender René Frackowiak aus Düsseldorf erklärte. Dafür gingen die jungen Profis nur mit Wasser, keinesfalls mit scharfer Chemie zu Werke. Mit Diamant-Schleifpads diverser Härtegrade polierten sie die edlen Böden rein mechanisch auf Hochglanz. Beim Wettbewerb sei die Qualität ausschlaggebend, nicht die Quantität, betonte Meister Frackowiak. „Gute Arbeitsorganisation entscheidet.“

Neben Böden und Sanitärräumen nahmen sich die Wettbewerbsteilnehmer auch die Außenfenster des Kulissenhauses vor. „Die wurden seit Jahren nicht mehr von außen sauber gemacht“, vermutete Frackowiak. Daher sollte sogenanntes „Bims-Mehl“, ein Steinpuder, zum Tiefenputz eingesetzt werden. Gesellin Ronja Leske aus Hamburg zeigte Respekt vor dem „Glas“. Per Steiger fuhr sie auf einer Arbeitsbühne hoch hinauf zum Einsatzort. „Steuern und putzen gleichzeitig, das ist schon eine echte Herausforderung“, räumte sie ein. Ihre Lieblingsobjekte seien richtig verschmutzte Toiletten und Bäder, meinte die Hamburgerin. „Da sieht man hinterher das Ergebnis am besten.“ Ärgern würde sie sich weniger über unordentliche Menschen, sondern vielmehr über unsauber arbeitende Maler. Eingetrocknete Farbkleckse fachgerecht wegzuputzen, das sei richtig schwierig, sagte Leske. Die 28-Jährige wurde am Abend als Bundessiegerin gekürt.

Prüferin Michaela Witzany-Wokalek, Meisterin aus München, warnte generell vor zu viel Putzmitteln. „Man muss ja nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen!“ Um Materialien und Umwelt zu schonen, müssten chemische Reinigungsmittel stets wohl dosiert werden. Zum Untersuchen der Putzergebnisse setzt sie wie ein Zahnarzt auf einen Spiegel. „Damit gucke ich um die Ecken“, verriet die Expertin.

Letztlich ging es beim großen Theater-Putz in Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt darum, junge Gesellen in ihrer beruflichen Entwicklung zu fördern.

Christine Sudhop, Sprecherin des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks, sagte, die Sieger des jährlichen Wettbewerbs werden das Preisgeld von je 2500, 1500 oder 500 Euro meist als Startkapital für ihre Meisterausbildung verwenden. 

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