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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 18:04 Uhr

Forschung in Anklam : Reifen aus Löwenzahn?

vom
Aus der Onlineredaktion

Continental baut Forschungsanlage für Naturkautschuk in Anklam. Das Labor soll 2018 in Betrieb gehen

svz.de von
erstellt am 14.Nov.2017 | 12:00 Uhr

Der Reifenhersteller Continental erforscht in Anklam den russischen Löwenzahn zur Gewinnung von Naturkautschuk für die Reifenherstellung. Gestern startete das Unternehmen den Bau der Forschungsanlage „Taraxagum Lab Anklam“. In der mit Extraktionsanlagen und Analyselaboren ausgestatteten Forschungsstätte soll ab Herbst 2018 das bislang im kleinen Labormaßstab erprobte Verfahren weiterentwickelt werden, sagte Continental-Manager Andres Topp beim ersten Spatenstich. Der Reifenhersteller investiert rund 35 Millionen Euro in den Standort mit künftig 20 Arbeitsplätzen, davon kommen 11,6 Millionen Euro vom Land.

Die Anbaufläche von aktuell etwa 15 Hektar rund um die Peenestadt soll in den kommenden Jahren auf bis zu 800 Hektar ausgeweitet und der Ertrag der Pflanze durch Züchtungen verbessert werden. „Wir gehen hier den Schritt aufs Feld“, sagte Topp. Ziel sei eine Serienproduktion von Naturkautschuk aus heimischen Rohstoffen. Für einen Einsatz des Löwenzahn-Kautschuks bei der Reifenherstellung müsse der Ertrag auf eine Tonne je Hektar gesteigert werden.

Gewonnen wird der für den Naturkautschuk notwendige Latexsaft aus der Wurzel des Löwenzahns (lat. taraxacum). Über Züchtungen soll die Wurzelstärke der Pflanzen von Fingerdicke auf Möhrengröße gesteigert werden, um die für einen industriellen Maßstab erforderlichen Erträge zu erreichen. Seit zehn Jahren kooperiert der Reifenhersteller dazu mit dem Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie. Obwohl es Fortschritte in der Entwicklung gebe, handele es sich immer noch um ein „Hochrisikoprojekt“, betonte Topp. Sollte das Ziel erreicht werden, will Continental zehn Prozent seines für die Reifenherstellung benötigten Kautschuks aus heimischem Löwenzahn gewinnen.

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) sagte, dass das Land die Ansiedlung gern unterstützt habe. „Wer nicht forscht, kann keine neuen Produkte an den Markt bringen.“ Mit der Wahl Anklams habe der Reifenhersteller eine gute Standortentscheidung getroffen. Das Land hofft, dass bei positivem Verlauf des Forschungsprojektes auch ein künftiges Produktionswerk für Naturkautschuk in Anklam angesiedelt wird.

Anklams Bürgermeister Michael Galander sprach von einem „schönen und großartigen Tag“ für die Stadt. „Noch zu selten haben wir hier im Nordosten Gelegenheit, neue Investitionen zu feiern.“ Continental will die benötigten Techniker aus dem regionalen Arbeitsmarkt gewinnen.

Bislang wird Naturkautschuk aus dem subtropischen Baum „Hevea brasiliensis“ gewonnen. Rund 95 Prozent der weltweiten Gesamtproduktion stammt aus Südostasien. Nach Angaben von Continental kann bei der Reifenproduktion nicht auf Naturkautschuk verzichtet werden.

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