zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

15. Dezember 2017 | 17:11 Uhr

Reicher Westen, armer Osten

vom

svz.de von
erstellt am 22.Dez.2011 | 11:34 Uhr

Berlin | Als der Paritätische Gesamtverband vor zweieinhalb Jahren erstmals einen Armutsatlas veröffentlichte, leuchtete der Osten tiefrot. Die komplett in rot und dunkelorange eingefärbten Landstriche zwischen Rügen und dem Erzgebirge wiesen die neuen Bundesländer als das Armenhaus Deutschlands aus. Doch mittlerweile liegen neue Zahlen vor, die die Lage in Ostdeutschland zumindest etwas rosiger erscheinen lassen. Der gestern in Berlin veröffentlichte Armutsbericht 2011 kommt zu dem Ergebnis, dass von einem "sauberen Ost-West-Schnitt" keine Rede mehr sein könne.

Zwar ist die Armut im Osten generell noch immer größer als im Westen - doch seit 2005 zeigt sich in einigen ostdeutschen Regionen ein klarer Aufwärtstrend, während es in den alten Ländern zum Teil massiv bergab ging. So weisen Hannover, Bremen und Dortmund mittlerweile eine höhere Armutsquote auf als der ostdeutsche Durchschnitt. Das südliche Thüringen und Teile von Brandenburg - vor allem der "Speckgürtel" um Berlin - stehen hingegen besser da als der gesamtdeutsche Mittelwert.

Dieser mittlere Armutswert lag in den vergangenen sechs Jahren unverändert zwischen 14 und 15 Prozent. Das bedeutet, dass jedem siebten Deutschen weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens zur Verfügung stehen - ab dieser Marke gilt man nach üblicher, wenn auch umstrittener Definition als arm. Im südbayerischen Oberland trifft dies nur auf 7,5 Prozent der Bevölkerung zu, in Vorpommern an der polnischen Grenze sind es hingegen 24,6 Prozent.

Auffällig ist, dass sich die Armutsquote seit Jahren nur minimal ändert - unabhängig davon, ob die deutsche Wirtschaft wächst oder nicht. "Wirtschaftswachstum kommt nicht mehr automatisch bei den Menschen an", beklagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, Ulrich Schneider. Er führt die unverändert hohe Armutsquote vor allem auf die Ausweitung des Niedriglohnsektors zurück. Die Behauptung, eine gute Wirtschaftspolitik sei die beste Sozialpolitik, sieht er damit als widerlegt an.

Während die Gegend um Berlin davon profitiert, dass wohlhabende Hauptstädter ins Umland ziehen, kann jedoch andernorts nicht auf eine erfolgreiche Wirtschaft verzichtet werden. Denn die regionale Wirtschaftsförderung rund um Suhl hat nach Schneiders Darstellung dazu geführt, dass sich Industrie im südlichen Thüringen angesiedelt und dort für neue Arbeitsplätze gesorgt hat. Mit einer Armutsquote von 14,4 Prozent rangiert Südthüringen der Studie zufolge jetzt zwischen den rheinischen Metropolen Düsseldorf und Köln. Keine hundert Kilometer vom relativ wohlhabenden Rheinland entfernt hat der Paritätische Gesamtverband hingegen eine neue Problemregion ausgemacht: das Ruhrgebiet. In Gelsenkirchen lebt seit Jahren jeder Fünfte von Hartz IV, und in Dortmund stieg die Armutsquote seit 2005 von 18,6 auf 23,0 Prozent. Eine derartige Abwärtstendenz in Deutschlands größtem Ballungsraum hält Schneider für besonders gefährlich: "Sollte dieser Kessel anfangen zu kochen, dürfte es sehr schwer werden, ihn wieder runterzukühlen."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen