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Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 04:03 Uhr

Reiche sollen mehr Steuern zahlen

vom

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erstellt am 03.Aug.2012 | 07:26 Uhr

Ein "Steuerparadies für Vermögende, Erben und Spekulanten" - so sieht Verdi-Chef Frank Bsirske Deutschland derzeit. Seine Gewerkschaft und andere Organisationen haben sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen, das höhere Steuern für Reiche fordert: "Umfairverteilen - Reichtum besteuern", lautet das Motto. Vorschläge für eine stärkere Besteuerung hoher Einkommen und Vermögen haben Konjunktur. Hintergründe von Christoph Slangen zur Debatte.

Wer zählt zu den Reichen?

Die Definitionen gehen weit auseinander. Die Wissenschaft legt 200 Prozent des mittleren Nettoeinkommens zugrunde, gewichtet nach dem Familienstand. Wer allein lebt, war nach dem letzten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2008 mit 3268 Euro netto monatlich demnach reich, ein Paar mit zwei Kindern musste über 6863 Euro netto verfügen. Bei repräsentativen Befragungen im Jahr 2007 gaben die Deutschen im Mittel 5000 Euro Nettoeinkommen als "gefühlte" Reichtumsschwelle an. Die Reichtumsquote lag bei 6,4 Prozent - rund fünf Millionen Menschen. Berechnet man nicht nur Einkommen, sondern Vermögen, zählten die Forscher 8,8 Prozent zu den "Reichen" - 6,8 Millionen Deutsche.

Wie viel Steuern zahlen die Reichen?
Das reichste Zehntel der einkommensteuerpflichtigen Deutschen mit Jahresbruttoeinkommen ab 69 582 Euro zahlte 2011 54,6 Prozent des Gesamtaufkommens der Einkommensteuer. Der Spitzensteuersatz beträgt 42 Prozent, zusammen mit dem Solidarzuschlag von 5,5 Prozent auf die Einkommensteuerschuld ergibt sich eine Spitzenbelastung von etwa 44,3 Prozent.

Einkünfte über 250 000 Euro bei Ledigen und 500 000 Euro bei Verheirateten werden noch einmal höher belastet: Hier beträgt der Satz der sogenannten "Reichensteuer" 45 Prozent. Darunter fielen 2007 0,16 Prozent der Steuerpflichtigen.

Ist die Besteuerung zu niedrig?

Noch zu Zeiten der schwarz-gelben Regierung Kohl Ende der neunziger Jahre betrug der Spitzensteuersatz 53 Prozent - ein Argument, mit dem die Opposition für eine höhere Belastung wirbt. Die verfügbaren Einkommen der Reichen haben in den vergangenen Jahren zugenommen, die der mittleren Einkommen stagnierten, während die der unteren sanken. "Das Wirtschaftswachstum der vergangenen 10 bis 15 Jahre ist bei den reichsten zehn Prozent angekommen", sagt Experte Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Die Zahl der Vermögensmillionäre ist in Deutschland zwischen 2003 und 2010 von gut 750 000 auf 900 000 angestiegen.

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