zur Navigation springen

Heiligendamm : „Reiche gucken“ am Grand Hotel verboten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das Experiment, das Gelände an der Ostseeküste wieder für Publikumsverkehr öffnen, ist vorzeitig gescheitert / Gäste fühlten sich belästigt

Wer im Grand Hotel Heiligendamm Urlaub macht, hat vor allem einen Wunsch: Ruhe. Im gering bevölkerten MV an der Ostseeküste weitab ab der Zentren sollte das eigentlich möglich sein. Doch schon die früheren Betreiber kritisierten das teils distanzlose Verhalten von Neugierigen, die auf das imposante Hotelgelände kamen. Die Redewendung „Gehen wir Reiche gucken“ entstand in den Jahren nach der Eröffnung 2003. Die 2006 durchgesetzte Schließung des Areals für Nicht-Hotelgäste war der große Zankapfel zwischen den Investoren und der Gemeinde Bad Doberan.

Nach der gut sieben Jahre dauernden Schließung wollten die neuen Betreiber um den Wirtschaftsprüfer Paul Morzynski einen Probelauf starten. Er hatte das insolvente Hotel im August 2013 übernommen. Von Ostern bis Pfingsten sollte das Gelände zugänglich sein. Eine Woche vor Ablauf der Probezeit ist Schluss. „Wir hatten eine extreme Zunahme an Gastbeschwerden. Uns drohte, Umsatz verloren zu gehen“, berichtete Geschäftsführer Patrick Weber gestern.

Bereits am Wochenende wies ein höflicher Tordienst einen anderen Weg – Besucher der Restaurants oder des Spa-Bereichs bleiben willkommen. Der Ansturm von Neugierigen sei so groß gewesen, dass sich die regulären Hotelgäste massiv gestört fühlten, sagte Weber. Alleine an Christi Himmelfahrt seien mehr als 1500 Neugierige auf das Gelände geströmt. Er zeigte sich irritiert von der Dreistigkeit mancher Gäste, die intensiv das Frühstücksbuffet bestaunten oder Radfahrer, die über das Gelände rasten. „Die am Tor eingesetzten Mitarbeiter wurden teilweise angepöbelt.“ Als es bei Buchungen entsprechende Fragen gegeben habe, wurde die Notbremse gezogen.

Zu DDR-Zeiten war das Gelände frei zugänglich, nach Eröffnung des Hotels blieb es zunächst so. Doch der Konflikt zwischen dem Bedürfnis mancher Menschen, einen Blick in diese exklusive Welt zu erhaschen und dem Ruhebedürfnis der Hotelgäste war nicht zu lösen. Der Chef der Investorengruppe Fundus, Anno August Jagdfeld, hatte den ungebremsten Publikumsverkehr auch für Auslastungsprobleme verantwortlich gemacht.

Bad Doberans Bürgermeister Thorsten Semrau (parteilos) bedauerte die Entscheidung, konnte aber die Begründung akzeptieren. „Wichtig ist es, in die Mediation zu gehen, um die aktuellen Probleme zu lösen.“ Es sei an der Zeit für einen geführten Weg durch das Hotelgelände in gegenseitigem Einvernehmen. Die Frage betreffe die Interessen der Hoteleigner und -betreiber, der früheren Investoren, der Median-Klinik und die von Bad Doberan. Die Gemeindevertreter hatte Mitte Mai die Mediation angeregt.

Weber weiß nicht, wie das Problem dauerhaft zu lösen ist. „Mehr, als wir versucht haben, kann man nicht machen“, sagte er. „Ich bin frei von Ideen“. Er befürchtete, das selbst bei einem geführten Weg die Leute „nach links und rechts flöten gehen“. Weber weiß, dass er und seine Mannschaft das Hotel in die Profitabilität führen müssen. „Aber das schaffen wir nicht, wenn wir Dinge zulassen, die uns die Gäste weghalten.“


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen