Die Verbraucherzentrale klärt auf : Regionalwerbung kann Kunden täuschen

Ihre Hütte bereiten Sandra Petrick und Stefan Redlin zum Verkauf von Backfisch und anderen Leckereien aus dem Meer vor.  Fotos: Georg Scharnweber
Ihre Hütte bereiten Sandra Petrick und Stefan Redlin zum Verkauf von Backfisch und anderen Leckereien aus dem Meer vor. Fotos: Georg Scharnweber

„Muss in Mecklenburger Fischsoljanka aus dem Supermarkt der Fisch aus Mecklenburg-Vorpommern kommen?“

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27. März 2016, 13:45 Uhr

Frau M. aus Rostock fragte bei der Verbraucherzentrale nach: „Ich habe im Supermarkt eine ,Rügener Fischsoljanka’ gekauft. Zu Hause habe ich auf der Dose gelesen, dass es sich bei dem verarbeiteten Fisch um Alaska- Pollock handelt, der gar nicht aus der Ostsee, sondern aus dem Pazifischen Ozean stammt. Ist das erlaubt?“

„Bei vielen Produkten stellen Firmennamen, Marken- oder Produktbezeichnungen einen Orts- oder Regionenbezug her“, sagt Antje Degner von der Verbraucherzentrale MV. Jedoch bleibt für Verbraucher oft unklar, ob es sich dabei um die Herkunft der Rohstoffe, die Verarbeitung oder sogar nur um eine spezielle Rezeptur handelt. So muss der Fisch für die Rügener Fischsoljanka nicht zwangsläufig in der Ostsee gefangen worden sein, sondern kann auch aus dem Pazifischen Ozean stammen. Das ovale Identitätskennzeichen auf Lebensmitteln tierischer Herkunft hilft da auch nicht weiter, weil es nur angibt, wo das Produkt zuletzt bearbeitet oder verpackt wurde, in dem geschilderten Fall der Fischsoljanka ist dies Dänemark. Eindeutige und aussagekräftige Verbraucherinformation sieht anders aus!

Häufig werden die Verbrauchererwartungen nach heimischer Frische aus der Nähe enttäuscht, denn meist erfolgt nur die Herstellung oder Verarbeitung in regionalen Betrieben. Durch die grafische Gestaltung der Verpackung, z. B. Bilder von Rügener Kreidefelsen oder der Müritz können sich Verbraucher getäuscht fühlen, wenn die Zutaten von weit her kommen oder die Produkte nicht einmal in Mecklenburg Vorpommern hergestellt werden.

Manchmal nimmt es auch der Handel mit der Regionalwerbung in Angebotsflyern oder am Verkaufsregal nicht so genau. So stammt Hirtensalat mit schwarzen Oliven „aus Norddeutschland“ und Orangensaft wird mit „Qualität aus der Heimat“ beworben. Die regionale Herkunft ist eine sogenannte Vertrauenseigenschaft, die für den Verbraucher kaum nachprüfbar ist. Außerdem müssen Verbraucher für regional beworbene Produkte häufig tiefer in die Tasche greifen.

Regionalwerbung muss wahr und klar sein. Sie ist derzeit jedoch rechtlich nur ungenügend geregelt, was Irreführung und Täuschung der Verbraucher ermöglicht. Die Verbraucherzentrale fordert daher einheitliche Kriterien und einen gesetzlichen Rahmen für die Regionalkennzeichnung von Lebensmitteln.



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