Regierung will Funklöcher stopfen

Vielerorts ist der Handyempfang schlecht oder gar nicht vorhanden / Politik in MV macht Druck und setzt auf im EU-Ausland bewährte Lösung

svz.de von
13. September 2018, 20:45 Uhr

„Hallo, hören Sie mich noch?“ Die Frage stellt der CDU-Abgeordnete Wolfgang Waldmüller seinen Gesprächspartnern am Handy regelmäßig, wenn er von Parchim nach Schwerin fährt. In den meisten Fällen bekommt er keine Antwort. Der Mobilfunkempfang bricht auf der Strecke zuverlässig ab. „Es gibt jedes Mal vier bis fünf Unterbrechungen. Da können sie die Uhr nach stellen“, beschreibt der Abgeordnete das Dilemma.

Störungsfrei mit dem Handy zu telefonieren, ist in Mecklenburg-Vorpommern oftmals Glückssache. Handynutzer tappen vielerorts in Funklöcher. „Gerade in ländlichen Regionen schauen die Menschen sehr häufig in die Röhre, Firmen sind von der digitalen Revolution ausgeschlossen“, erklärte der CDU-Abgeordnete im Parlament.

Um den Mobilfunk-Empfang in MV zu verbessern, nimmt jetzt die Politik das Heft in die Hand und dringt auf mehr Tempo bei der Beseitigung von Funklöchern. Einstimmig forderte das Parlament gestern die Landesregierung auf, sich auf Bundesebene für ein nationales Roaming einzusetzen und so die Empfangsbedingungen für Verbraucher zu verbessern. Auf die Mobilfunkbetreiber könnten Handynutzer nach Einschätzung Waldmüllers nämlich nicht bauen. Für die Konzerne sei es schlichtweg unrentabel, an jedem Standort ein flächendeckendes Netz vorzuhalten.

Über den Roaming-Trick wäre laut Waldmüller aber die wechselseitige Nutzung der Sendemasten verschiedener Mobilfunkbetreiber möglich. Touristen im EU-Ausland profitieren bereits von dieser Lösung.

Der CDU-Abgeordnete votierte dafür, das EU-Modell auf Deutschland zu übertragen. „Nationales Roaming ist Erste Hilfe zur Selbsthilfe, betonte Waldmüller. Er verwies auf eine Bundesratsinitiative Sachsen-Anhalts dazu, die auch von Mecklenburg-Vorpommern unterstützt werden solle.

Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) sendete bereits die ersten positiven Signale aus und kündigte noch für diesen Monat Gespräche mit Vertretern der drei größten Mobilfunkanbieter an. Laut Pegel soll es dabei nicht nur darum gehen, eigene Sendemasten für Konkurrenten zu öffnen. „Sondern auch darum, ,weiße Flecken‘ ohne jeglichen Empfang rasch und genau zu lokalisieren und zu beseitigen“, so der Minister. Das gemeinsame Ziel ist es, verkündete Pegel, bis 2019 für 98 Prozent der Haushalte den Zugang zu den Funknetzen sicherzustellen. Vielleicht kann Waldmüller dann auch auf der Fahrt von Parchim nach Schwerin störungsfrei telefonieren.



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