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Mecklenburg-Vorpommern

22. September 2017 | 13:45 Uhr

Regenchaos an der Küste

vom

svz.de von
erstellt am 31.Jul.2011 | 06:33 Uhr

Rostock | Langsames Aufatmen vor allem im Osten Mecklenburg-Vorpommerns: Nach tagelangem Regen zeigte sich an vielen Orten am frühen Sonntagnachmittag endlich wieder die Sonne. Doch für die vielen Helfer von Feuerwehren oder technischem Hilfswerk gab es zunächst keine Pause, denn noch immer mussten Keller ausgepumpt und Straßen geräumt werden. Am Freitag und Samstag hatte sich noch ein chaotisches Bild geboten: Die randvollen Entwässerungsgräben konnten die Niederschläge nicht mehr aufnehmen, Hauskeller liefen voll.

Vor allem in Greifswald gab es auch am Sonntag für die mehr als 60 Helfer mächtig zu tun, hieß es von der Rettungsleitstelle. Pro Minute mussten 40 000 Liter Wasser aus einem Rückhaltebecken in den Stadtgraben gepumpt werden. Sandsackbarrieren wurden aufgebaut. Auch in Graal-Müritz östlich von Rostock war den Angaben zufolge noch schweres Gerät im Einsatz, um die Wassermassen aus der Rostocker Heide zu bändigen.

Nach Angaben des Polizeipräsidiums Neubrandenburg waren am Sonntag noch viele Straßen im Osten gesperrt. Sie waren alle wegen Überflutung unpassierbar. Dabei habe es sich vor allem um Landes- oder Kreisstraßen gehandelt, aber auch die Bundesstraße 104 zwischen Zerrenthin und Löcknitz war betroffen.

Eine Gesamtschadenssumme lag gestern noch nicht vor. Klar ist jedoch nach Polizeiangaben, dass sich die Hilfskräfte mit den Folgen des Dauerregens noch einige Tage beschäftigen müssen.

Die Schäden sind Folgen des nassesten Julis seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in MV. Wie der Wetterexperte Uwe Ulbrich vom Wetterdienst Meteomedia sagte, fielen in Warnemünde 350,9 Liter pro Quadratmeter, was 461 Prozent der Juli-Regenmenge im langjährigen Mittel entsprach. Den zweiten Platz in dieser Tabelle belegte Tribsees (Nordvorpommern) mit 327,3 Litern pro Quadratmeter oder 474 Prozent der durchschnittlichen Regenmenge. "Diese Regenfälle reichten in ihrer Intensität fast an den indischen Monsun heran", so Ulbrich. Davon war auch Zinnowitz betroffen, wo im Juli mit 313 Litern sogar 513 Prozent des langjährigen Schnitts gemessen wurden.

Während der Osten von den Regen tiefs der letzten Tage stark betroffen gewesen war, sei es laut Ulbrich im Westen eher zu trocken gewesen. "Hier haben die beiden Unwettertiefs lediglich dafür gesorgt, dass der Monat nicht zu trocken ausgefallen ist." So wurden in Boizenburg mit 93,9 Litern pro Quadratmeter 136 Prozent der durchschnittlichen Menge gemessen.

Die Landwirte stehen der Situation indes weitestgehend hilflos gegenüber. "Die Qualität des Getreides hat enorm gelitten. Selbst das Stroh verliert jeden Tag an Wert", sagt Sebastian Oechsle vom landwirtschaftlichen Lohnunternehmen Blunk in Lalendorf im Landkreis Güstrow. Die Ernte lässt weiter auf sich warten. "Viele Felder werden noch tagelang unter Wasser stehen, selbst wenn der Regen in den nächsten Tagen aufhört", sagt ein Sprecher des Bauernverbandes.

Entspannung scheint es indes beim traditionellen Pferderennen in der nächsten Woche auf der historischen Rennbahn von Bad Doberan zu geben. Am Freitag waren die Bauarbeiten wegen der Regengüsse eingestellt worden. Die Veranstalter teilten mit, dass sie davon ausgehen, dass das Ostsee Meeting stattfindet. Nasse Füße gab es derweil für die 3500 Punkfans bei 15. Festival "Force Attack" in Klingendorf bei Rostock. "Die Leute stehen im Matsch, trotzdem ist die Stimmung sehr gut", hieß es gestern.

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