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Mecklenburg-Vorpommern

22. September 2017 | 10:20 Uhr

Unwetter : Regen und kein Ende

vom
Aus der Onlineredaktion

In einer Nacht fällt so viel Niederschlag wie sonst in einem ganzen Monat: Tief „Alfred“ schiebt den Sommer in MV beiseite

svz.de von
erstellt am 26.Jul.2017 | 21:00 Uhr

So richtig versteht Heinz Horstmann die Frage nicht. Vielleicht, weil sich für ihn erst gar keine stellt. Die Sache mit dem Campingurlaub, verdorben vom unaufhörlichen Regen, ist das nicht ärgerlich? „Es ist, wie es ist“, sagt er und lächelt. „Sie wissen ja: Schlechtes Wetter gibt es nicht. Nur schlechte Kleidung.“ Zusammen mit seiner Frau ist Heinz Horstmann zum zweiten Mal auf dem Campingplatz in Seehof bei Schwerin. Seit Dienstag sind sie da, für zwei Wochen; angekommen aus Schleswig-Holstein, als Tief „Alfred“ mit seinem Regen die ausgetretenen Wege zu Schlamm machte und die Stellplätze unter Wasser setzte.

Der Juli verschwimmt. Gestern schrieben die Wetterdienste, im Verlauf der letzten Tage sei mancherorts in Mecklenburg-Vorpommern so viel Regen gefallen wie sonst durchschnittlich im ganzen Monat Juli. Auf Rattey, einem Örtchen an der Mecklenburgischen Seenplatte, prasselten 79,3 Liter Regen pro Quadratmeter, Penkun und die Insel Usedom meldeten 60 Liter. Der Juli-Schnitt? Liegt bei rund 50 Litern. Gänzlich unüblich ist das derzeitige Wetter indes nicht. „Wir haben immer mal wieder nasse Perioden mit Tiefdruckgebieten im Sommer“, sagt Uwe Ulbrich vom privaten Wetterdienst Meteomedia.

Nicole Pracha gießt sich eine Tasse Tee ein, 17 Grad sind nicht gerade Sommer. Sie ist mit ihrer Familie auf dem Seehofer Campingplatz, seit Montag. Auch sie sagt den Spruch mit dem schlechten Wetter und der schlechten Kleidung. Man müsse sich halt anpassen, von alleine beschäftigen. Gar nicht so schlecht. Ihre Kinder kommen mal zum Lesen oder Spielen und weg vom Computer und dem Handy. Und am Morgen, erzählt Nicole Pracha,war sie sogar im Schweriner See zum Schwimmen, an der Badestelle des Campingsplatzes.

An den richtigen Stränden des Landes hingegen herrscht Leere, als wäre der Sommer 2017 längst vom Herbst abgelöst worden: die sonst gefüllten Cafés zählen ihre verkauften Kännchen Kaffee und Stückchen Kuchen per Hand, Radwege ohne Fahrräder, Kinder könnten auf den Promenaden mit Kreide zeichnen und würden niemanden stören. An den Rettungstürmen wehen rote Flaggen, zu viele hohe Wellen, Badeverbot. Auf der Insel Usedom, die damit wirbt, sonnenreichste Insel Deutschlands zu sein, haben vorübergehend sogar die Strandkorbverleiher dichtgemacht. „Irgendwann kann einen das Wetter schon mürbe machen“, sagt Antje Schneeburg. Sie arbeitet auf dem Seehofer Campingplatz. In den letzten Tagen seien vermehrt Gäste vorzeitig abgereist: Manche Zelte haben dem Wasser nicht mehr standhalten können. Ähnliche Szenen auch bei den Campern in Hohenkirchen im Kreis Nordwestmecklenburg, auf dem Platz „Liebeslaube“. Dort lief Wasser von einem angrenzenden Erdbeerfeld auf die Zufahrt und auf den Campingplatz, es kam zu Überschwemmungen. Angezogen mit Gummistiefeln und Regenjacken packten die Urlauber mit an, zogen Gräben, Feuerwehr und Betreiber pumpten das Wasser ab.

Antje Schneeberg bezeichnet sich selbst übrigens als hartgesottene Camperin. Schlechtes Wetter im Urlaub? Völlig normal. Früher, erinnert sie sich, war es schon mal 14 Tage durchgängig schlecht. Funktionierte auch irgendwie. Und heute sei das Angebot viel besser: Campingplätze bieten ein buntes Programm; Sport, von Yoga bis Tischtennis, Wachswerkstätten, Töpfern, Filzen, Kupfertreiben. Aber es stimmt schon, gibt Antje Schneeberg zu: besseres Wetter und das Geschäft wird wieder besser laufen. Hoffen darf sie.

Tief „Alfred“ mit seinem Regen zieht weiter in Richtung Osten, freundlicheres Wetter steht bevor, mit wenig Glück sogar Sonne und angenehme Temperaturen über 23 Grad. Und selbst wenn nicht, die meisten Camper vom Seehofer Campingplatz sind vorbereitet.

Nach dem Aufbau, gleich am ersten Abend, erzählt Heinz Horstmann, haben er und seine Frau ein paar Leute kennengelernt. Am Abend wollten sie sich auf ein Bier treffen. Und dann ist die Welt in Ordnung.



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