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Bärenwald Müritz : Refugium für Meister Petz

vom
Aus der Onlineredaktion

Vor zehn Jahren eröffnete der Bärenwald Müritz – hier finden geschundene Bären ein neues Zuhause

Sindi hat sich in ihrer Kuhle im bunten Herbstlaub eingerollt. Ein paar Schritte gegenüber, am Elektrozaun, steht ein Rentnerpaar mit seinen Enkeln und macht ein Foto nach dem anderen: für die Erinnerungen vom Ausflug in den Bärenwald Müritz. Die 26-jährige Braunbärin Sindi bringt 130 Kilogramm auf die Waage und war einst Attraktion bei der Landesgartenschau in Sindelfingen. Dann zog sie als zweiter Bär nach Stuer, eine Woche nach ihrem Bruder Lothar. Das war im Oktober 2006 – als der Bärenwald Müritz offiziell eröffnet wurde. Er ist eines von nur drei Freigehegen deutschlandweit, in denen Braunbären artgerecht gehalten werden.

Als sich die österreichische Tierschutzstiftung Vier Pfoten, die den Bärenwald Müritz betreibt, vor zehn Jahren für das Gelände am südlichen Ende des Plauer Sees entschied, war die Landschaft ausschlaggebend: hügelig, ein natürlicher Bachlauf und vor allem ein dichter Mischwald. „Das ist optimal für unsere Bären, weil sie sich hier gut verstecken können“, sagt Cheftierpflegerin Sabine Steinmeier, die fast seit Anfang hier arbeitet, „so wie in freier Wildbahn“. In der Tat passiert es den Besuchern, dass sie lange durch den weiten Park streifen und keinen der derzeit 16 hier lebenden Bären zu Gesicht bekommen. Sicht-Garantie wie im Zoo gäbe es hier nicht, fügt Steinmeier hinzu. „Wir reduzieren den Kontakt zum Menschen auf ein Minimum.“ Mit acht Hektar Fläche startete der Bärenpark; 2011 wurde auf 16 Hektar vergrößert.

Michal, der Dreibeinige aus Polen, der im Kampf ein Bein verlor. Katja, die einstige Zirkusbärin aus Nürnberg. Oder Otto, der seinen Namen dem Bürgermeister der Gemeinde Stuer verdankt. Alle gewichtigen Tiere eint, dass sie früher in zu engen und nicht artgerechten Gehegen in Tierparks, Zoos oder privat untergebracht waren: 150 Quadratmeter, Gitterstäbe und Betonboden. „Als ich 1986 in einem Zoo meine Arbeit begann, war das völlig normal“, erzählt Sabine Steinmeier. „Und wenn ich mich heute umschaue: So viel Weite!“ Das verändere die Blicke der Bären, aber auch der Besucher, die die braunen Tiere bislang nur aus dem Zirkus kannten.

Unter einer alten Eiche, mitten im Bärenwald, stehen Grabsteine für jene sechs Bären, die hier starben. Die Cheftierpflegerin hat sie angelegt. Etwas wehmütig erzählt Steinmeier etwa die Geschichte von Bruno, dem Zirkusbären: „Er war nur zwei Monate bei uns, dann starb er.“ Die Asche seines Kadavers kam in eine Urne und liegt nun im Bärenwaldfriedhof. Die anderen fünf Verstorbenen wurden vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo-und Wildtierforschung vernichtet – so schreibt es das Gesetz vor.

Seit April wird im Eingangsbereich des Bärenwaldes gehämmert, staubt es und fahren die Baumaschinen vor: Im kommenden März will der Verein Vier Pfoten, der den Bärenwald fast ausschließlich aus Spenden finanziert, seine Besucher mit einem neuen Gebäude empfangen: Hier soll es laut Betriebsleiterin Winnie Rösner eine Bärenakademie als Umweltbildungsstätte geben, einen Indoorspielplatz, „bei dem die Kinder wie die Bären durchs Unterholz kriechen“ sowie einen sogenannten „Boulevard der Region“, der die Mecklenburger Seenplatte erläutert. Zudem entstehen neue Sanitäranlagen und Mitarbeiterbüros. 3,7 Millionen Euro investieren das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Vier-Pfoten-Stiftung darin. Damit möchte der Bärenwald noch einmal mehr Besucher anlocken, vor allem in der Nebensaison und außerhalb der Schulferien, so Winnie Rösner.  

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