P+S-Gruppe auf Schiffbau-Messe SMM : Reeder stehen zu Pleite-Werften

Besucher gehen auf der Schiffbaumesse SMM 2012 in Hamburg an dem Stand der P+S Werften vorbei. dpa
Besucher gehen auf der Schiffbaumesse SMM 2012 in Hamburg an dem Stand der P+S Werften vorbei. dpa

Hoffnung auf den angeschlagenen P+S-Werften: Trotz Insolvenz halten Reeder offenbar an ihren Schiffbauaufträgen fest. Auf Hamburger Schiffbau-Messe SMM ist man um Schadensbegrenzung bemüht.

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04. September 2012, 08:00 Uhr

Schwerin/Hamburg | Hoffnung auf den angeschlagenen P+S-Werften: Trotz Insolvenz halten Reeder offenbar an ihren Schiffbauaufträgen fest. "Unsere Kunden gehen sehr professionell mit der Werfteninsolvenz um", sagte Werft-Geschäftsführer Axel Schulz gestern nach Gesprächen am ersten Messetag auf der weltgrößten Schiffbaumesse SMM, die vom 4. bis 7. September in Hamburg veranstaltet wird. Auf dem internationalen Branchengipfel sind die Schiffbauer aus Stralsund und Wolgast seit Jahren erfolgreich vertreten. Doch im Jahr 2012 präsentiert sich das Unternehmen auf der SMM wirtschaftlich schwer angeschlagen. Darüber kann auch der emotionale Werbeslogan "Passion shipbuilding since 1948" am Messestand in Halle B4 nicht hinweg helfen.

Zum Resümee von Schulz gehört aber auch, "dass unsere Kunden, die bei uns Schiffe bestellt haben, zu den Verträgen stehen." Das hätten zumindest die Gesprächspartner von den Reedereien DFDS, Royal Arctic und den Auftraggebern für zwei Offshore-Spezialschiffe am Hamburger P+S-Messestand noch einmal bekräftigt. Indes hätten sich andere Branchenvertreter auch besorgt geäußert. Denn ein Aus des Werftenverbundes in Stralsund und Wolgast, der zu den vier größten Branchenunternehmen in Deutschland gehört, würde den deutschen Schiffbau entscheidend schwächen. Zugleich werde aber gehofft, dass die P+S-Werften GmbH die prekäre Situation übersteht und neu starten kann. Optimismus, der offenbar auch im Ausland geteilt wird. "Trotz der Insolvenz sind an uns Interessenten herangetreten, die weitere Offshore-Projekte mit uns verwirklichen wollen", sagte Geschäftsführer Schulz. Es handele sich um 180 Meter lange "Construction Vessel", Spezialschiffe für die Öl- und Gas-Offshore-Industrie.

Das Interesse an einer Übernahme der insolventen P+S-Werften oder von Unternehmensteilen bestimmte ebenfalls die Messegespräche. Die Rostocker Werft Tamsen Maritim habe nach entsprechenden Anfragen "nicht mehr Nein gesagt", bestätigte Geschäftsführer Christian Schmoll in Hamburg und fügte erklärend hinzu, seitens der Landespolitik und der Deutschen Marine sei das Unternehmen diesbezüglich angesprochen worden. Hintergrund in diesem Fall ist, dass ein Verkauf des Marine-Bereichs der Wolgaster Peene-Werft an Investoren aus dem arabischen Raum offenbar wenig erwünscht ist. "Es wäre für den Werftenstandort Mecklenburg-Vorpommern nicht gut, wenn spezielles Know-how im Marine-Schiffbau möglicherweise abwandert", so Schmoll. Tamsen Maritim ist im Reparaturbereich bereits für die Deutsche Marine tätig. Mit Aufbauten aus hochfestem Kunststoff möchte die mittelständische Werft zum Lieferanten auch für Marine-Schiffsneubauten werden. Das geplante neue Mehrzweckkampfschiff MKS 180, das in zehn Jahren der Marine zur Verfügung stehen soll, nannte er als ein solches Projekt, für das sich ein Engagement im Marine-Schiffbau bei der Peene-Werft anbieten würde.

Sehr eng kooperiert bereits die Fr. Lürssen Werft aus Bremen mit der Peene-Werft im militärischen Schiffbau zusammen. So lieferten die Wolgaster wesentliche Komponenten für den Bau mehrerer Einsatztruppenversorger zu. Auch bei der neuen Fregatte vom Typ F 125 ist die Peene-Werft nach Angaben von Lürssen-Vertriebschef Jörg Ahrens "als Subunternehmen mit im Boot". Aus diesem Grunde werde derzeit genau beobachtet, was mit den P+S Werften passiert. Eine Übernahme durch die Bremer Werft schloss Ahrens jedoch kategorisch aus. Dies seien Gerüchte. "Es gab keine Kontakte zum Insolvenzverwalter und es besteht momentan auch kein Interesse an einem Kauf der Peene-Werft."

Bei der Schiffbaumesse stellen 36 Unternehmen und Institutionen aus MV aus. Viele davon präsentierten sich auf einem Gemeinschaftsstand in der Halle B7, teilte das Schweriner Wirtschaftsministerium mit. Mit eigenen Ständen seien unter anderem die Werften, die Caterpillar Motoren Rostock GmbH & Co. KG und die Mecklenburger Metallguss GmbH aus Waren vertreten. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) zufolge ist die Schiffbaubranche im Land in schwierigem Fahrwasser. "Die maritime Industrie hat die Phase der Umstrukturierung hin zum Spezialschiffbau und neuen Angeboten im Offshorebereich noch längst nicht abgeschlossen", so der Minister. Auch gebe es nach wie vor Finanzierungsschwierigkeiten für Aufträge. "Hohe Risikoaufschläge, verschärfte Beleihungsquoten und eine geringe Bereitschaft der Banken zur Begleitung von Finanzierungen prägen im zivilen Schiffbau das Bild", bedauerte Glawe. Die maritime Industrie beschäftigt in MV rund 17 000 Arbeitnehmer in 330 Unternehmen. Davon arbeiten derzeit auf den Werften in Wismar, Rostock, Stralsund und Wolgast rund 3200 Mitarbeiter.

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