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Redefin erlebte unvergesslichen Wiener Abend

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erstellt am 09.Sep.2013 | 10:47 Uhr

Redefin | Von diesem Abend, von diesem Konzert, diesem Erlebnis auf dem Redefiner Gestütsgelände werden die gut 3000 Besucher - und nicht nur sie - noch viele Jahre reden. Die Konstellation, die die Wiener Philharmoniker ins mecklenburgische Redefin brachte, war einmalig. Die Chance, dieses Orchester von Weltruhm noch einmal an dieser Stelle zu erleben, dürfte sehr gering sein. Ein ehrgeiziges Management der Festspiele mit dem Intendanten Matthias von Hülsen an der Spitze, ein Mecklenburg tief verbundener Preisträger Matthias Schorn, der als Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker sein Orchester zu diesem Abstecher "überredete", und nicht zuletzt zahlungskräftige Sponsoren im Hintergrund sowie ein wenig Geduld brachte die Wiener schließlich ins Gestüt.

Zunächst landete das gut 100 Musiker starke Orchester mit Maestro Lorin Maazel von London kommend um 14 Uhr auf dem Parchimer Flugplatz. In England waren die Philharmoniker an den Londoner Proms beteiligt. Die Instrumente der Musiker, die generell nicht geflogen werden, kamen nur mit einer Mühe schließlich per Lkw nach Redefin. Am Kanal zwischen England und Frankreich hatte es Verzögerungen gegeben.

Doch Redefin ist nicht einfach nur ein Konzert in nahezu komplett umgebauter Reithalle. Redefin bietet schon Stunden vorher gelassene Vorfreude. Die ersten Gäste waren schon vor 12 Uhr am Tor. Perfekt vorbereitet für ein langes Picknick auf dem weitläufigen Gestütsgelände. Trotz der kurzfristig noch angekündigten Restkarten hielt sich der Ansturm an der Tageskasse in Grenzen. Es ging entspannt zu in Redefin.

Das änderte sich auch am Nachmittag nicht, als dann das Landgestüt auf dem Alten Paradeplatz zu seiner Pferdeshow einlud. Unter die Gäste hatten sich unerkannt auch viele Philharmoniker gemischt, die sich teils noch eine Decke für ihre Ruhe im Parkgelände geben ließen. Wie gut Gestüt und Festspiele harmonieren, zeigte sich beim gemeinsamen Auftritt von Gestütsleiterin Antje Kerber und Intendant Hülsen. Der Aufruf: "Bitte nichts ändern" bezog sich zwar auf die Akustik in der Halle, war aber auch politisch gemeint. Schließlich fühlt sich das Landgestüt im Landesbesitz ganz wohl.

Die Pferdefachleute widerstanden der Versuchung, schon Teile ihres Programms der am Sonntag beginnenden Hengstparade aufzuführen. Sie zeigten ein vor allem historisch geprägtes Programm mit dem Mecklenburger Pferd als Kulturgut im Mittelpunkt.

Noch während zwei große Sponsoren zum Extraempfang in einen Reitstall luden, sammelten sich vor der Reithalle die Ungeduldigen. Halb Deutschland war an diesem Abend in Redefin zu Gast, jedenfalls legte das ein Blick auf die vielen verschiedenen Autokennzeichen nahe. Viele Besucher hatten nach dem Konzert noch mehr als drei Stunden Rückfahrt auf dem Programm.

Doch das alles war kein Problem, auch die halbe Stunde Verzögerung zu Beginn war überhaupt kein Thema. Und spätestens als Intendant Matthias von Hülsen mit neuem Mikrofon schlicht das "bedeutendste Orchester der Welt" ankündigte, begann ein großer Abend.

Das Publikum war dabei äußerst diszipliniert, nahm die enge Bestuhlung und vor allem die beachtliche Länge der Sinfonie Nr. 8 c-Moll von Anton Bruckner mit andächtiger Geduld hin.

Am Ende gab es sehr viel Beifall und vielleicht auch die leise Hoffnung auf noch eine Zugabe. Beeindruckt und tief bewegt waren alle, mit denen man danach sprach.

Den Philharmonikern ging es nicht anders. Matthias Schorn, der vor dem Hauptstück nur einen relativ kurzen Auftritt nebst Zugabe hatte, erwähnte nach dem Konzert ein Gespräch mit seinem im Orchester spielenden Mentor und Lehrer Johann Hindler, der den Auftritt "als eine Werbung für die Philharmoniker" bezeichnete. Es war im Übrigen das erste Mal, dass dieses Spitzenorchester in einer Reithalle spielte. Eventuelle Befürchtungen, die Akustik sei nicht gut genug, konnte der Mecklenburg-Kenner Matthias Schorn schon im Vorfeld zerstreuen. "Die Halle trägt, und wir werden nicht verstärkt", hatte er seinen Kollegen im Vorfeld bedeutet. Und wieder zeigte sich, dass die vollbesetzte Halle mit den 3000 Zuschauern in der Tat eine verblüffend gute Akustik hat. Auch Maestro Lorin Maazel, der immer wieder Sonderapplaus bekam, soll sich später ganz zufrieden über den Auftritt geäußert haben, hieß es von den Festpielorganisatoren auf Nachfrage. Nach ihrem umjubelten Auftritt wurden die Philharmoniker mit drei Bussen in ein Lübecker Hotel gebracht. Im Gestüt blieben viele Besucher noch lange, während parallel noch in der Nacht aus der Konzert- wieder die Reithalle wurde.

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