Schwerin/Boizenburg : Rede auf rechter Demo: Lehrerin suspendiert

<p>Die Polizei sichert den Boizenburger Platz bei einer Demonstration im Jahr 2015</p>

Die Polizei sichert den Boizenburger Platz bei einer Demonstration im Jahr 2015

Unter der Woche unterrichtet sie an einer Grundschule in Vellahn, in Ihrer Freizeit präsentiert sie sich als Rednerin auf Nazi-Demos. Jetzt hat das Schweriner Bildungsministerium eingegriffen.

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10. Mai 2017, 20:45 Uhr

Das Schweriner Bildungsministerium hat eine Lehrerin der Grundschule Vellahn vom Dienst suspendiert, weil sie am vergangenen Sonnabend in Boizenburg als Rednerin auf einer rechtsextremen Demonstration auftrat. Bis zur Klärung des Vorfalls darf die Pädagogin nicht am Schulbetrieb teilnehmen. „Der geordnete Unterricht an der Schule hat für uns höchste Priorität“, begründete Bildungsministerin Birgit Hesse  (SPD) gegenüber unserer Redaktion ihre Entscheidung.  Ein erstes Gespräch mit der Lehrerin habe stattgefunden.

Die Polizei bestätigte die Rede der Frau auf der Demonstration unter dem Motto „Zukunft sichern und Zusammenhalt stärken – wir zeigen Gesicht gegen diese BRD!“ zu der sich etwa 60 Neonazis aus Norddeutschland versammelt hatten. In der Rede der Lehrerin hätten anwesenden Polizeibeamten allerdings keine volksverhetzende oder andere strafrechtlich relevanten Aussagen gehört. „Sonst wären wir eingeschritten“, sagte ein Polizeiführer. Wie der NDR berichtete, habe die Lehrerin  zu Beginn ihrer Rede auf Internetseiten als Informationsquellen hingewiesen, auf denen unter anderem rassistische Falschmeldungen und antisemitische Verschwörungstheorien verbreitet würden. Laut NDR drehte sich  die insgesamt etwa 35-minütige Rede vor allem um die Behauptung, der Zuwanderung liege ein planvolles Handeln der Bundesregierung zugrunde, um die deutsche Bevölkerung „auszutauschen“.

Möglicherweise ist die Pädagogin schon seit Jahren auf rechten Demonstrationen aufgetreten. So erklärte im Oktober 2015 ebenfalls in Boizenburg auf einer von der NPD dominierten Mvgida-Kundgebung eine Rednerin, sie sei Lehrerin und Anwohnerin. Der NPD-Aktivist Andreas Theißen lobte ihren „Mut“ und nannte ihr Auftreten in seiner Rede damals eine „Heldentat“.  Im Bildungsministerium waren bis heute keine früheren Auftritte der Lehrerin auf rechten Kundgebungen bekannt, sagte ein Sprecher.

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