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Tag des Gedenkens : Rechtsextremismus in der Maske des Kümmerers

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In Mecklenburg-Vorpommern erinnerten Gedenkveranstaltungen an die Opfer der Nazi-Herrschaft in Deutschland. In Schwerin warnte Landtagspräsidentin Bretschneider vor rechtsextremistischem Gedankengut, das bis in die Mitte der Gesellschaft vordringe.

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erstellt am 27.Jan.2014 | 16:32 Uhr

Auf einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus hat Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) in Schwerin vor rechtsextremistischen Kräften gewarnt, die versuchten, immer weiter in die Mitte der Gesellschaft vorzudringen.

„In der Maske des biederen Kümmerers oder des Staatsmanns propagieren sie ihre braune Weltanschauung“, sagte Bretschneider am Montag vor etwa 200 Menschen - darunter Landtagsabgeordnete und Schüler - in der Schlosskirche. Die demokratischen Kräfte aus Politik und Zivilgesellschaft müssten sich mit allen verfassungsgemäßen Mitteln zur Wehr setzen.

Der 27. Januar wird in Deutschland seit 1996 als Gedenktag begangen. 2005 erklärten ihn die Vereinten Nationen zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.

Die Botschafterin der Niederlande, Monique van Daalen, sagte vor allem an die Jugendlichen gewandt: „Etwas über die Unfreiheit von früher zu lernen, ist ein Weg, die Freiheit von heute schätzen zu lernen.“ In den Niederlanden hätten nur noch 0,5 Prozent der Bevölkerung den Zweiten Weltkrieg als Erwachsene oder Jugendliche miterlebt, die anderen hätten noch keine Erfahrung mit Unfreiheit gemacht. Der 89-jährige niederländische Jude Jack Courant berichtete, dass er das Gefühl der Erniedrigung in der Besatzungszeit als besonders schlimm empfand. Er überstand die Jahre von 1942 bis 1945 im Untergrund, während seine Familie deportiert wurde. Nur seine Mutter überlebte das Konzentrationslager Auschwitz.

Wie in Schwerin ist am Montag mit mehreren Veranstaltungen der Opfer des Nationalsozialismus gedacht worden. Bereits am Wochenende rief Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) dazu auf, sich überall im Land gegen Rechtsextremismus und Gewalt zu engagieren. „Die Nationalsozialisten haben zwischen 1933 und 1945 schlimmstmögliche Verbrechen begangen und einen brutalen Krieg begonnen, der Millionen von Todesopfern gefordert hat. Das darf sich nie wiederholen“, mahnte er.

Am Mahnmal des KZ-Außenlagers Barth wurden zwei Tafeln mit den Namen von 530 dort umgekommenen Häftlingen enthüllt. Die Tafeln entstanden auf Initiative der Stadt und des Fördervereins Dokumentations- und Begegnungsstätte Barth. In Neustrelitz wurde der Opfer von Euthanasie und Zwangssterilisierung gedacht. Die ehemalige „Landesirrenanstalt Domjüch“ war in der Nazizeit Durchgangsstation für viele psychisch Kranke auf dem Weg in die NS-Tötungsanstalt Bernburg.

In Ludwigslust wurden Kränze an der Gedenkstätte Am Bassin niedergelegt. Im Saal des Vereins Zebef spielten Schüler des Parchimer Theaterjugendclubs Fernando Arrabals Anti-Kriegs-Stück „Picknick im Felde“.

In Rostock wurde eine Ausstellung über Juden im deutschen Fußball eröffnet, in Wismar zeigen Schüler eine Ausstellung mit historischen Zeitungsberichten, die die alltäglichen Lebenseinschränkungen der jüdischen Bewohner der Stadt deutlich machen. In Greifswald richteten Universität und Stadt die Erinnerung in diesem Jahr auf das Thema „Verfolgte Homosexuelle“.

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