zur Navigation springen

Aussteiger sagte aus : Rechtsextreme hetzen Ex-Kameraden

vom

Die rechtsextreme Szene kennt keine Skrupel, um Abtrünnige zu bestrafen: Auf einer Internetseite wird derzeit ein Ex-Kamerad an den Pranger gestellt. Unter der angegebenen Adresse wird jedoch niemand zu erreichen sein.

svz.de von
erstellt am 09.Feb.2012 | 08:05 Uhr

Schwerin/Stralsund | Die rechtsextreme Szene kennt offenbar keine Skrupel, wenn Abtrünnige bestraft werden sollen: Auf einer einschlägigen Internetseite wird derzeit auf perfide Art ein Ex-Kamerad an den Pranger gestellt. Dazu veröffentlicht die Netz-Plattform auch noch die vollständige Adresse des Betroffenen - geradezu eine Einladung zu Racheakten.

Allerdings wird der Betroffene derzeit unter der Adresse nicht zu erreichen sein. Der ehemalige Mit-Administrator einer weiteren rechtsextremen Internetseite sitzt derzeit eine Haftstrafe in Höhe von zwei Jahren und drei Monaten ab. Der 30-Jährige Robert R. wurde vom Landgericht Rostock im Oktober vergangenen Jahres wegen Volksverhetzung, Verwendens verfassungsfeindlicher Symbole, Beleidigung, Aufruf zu Straftaten und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener auf der Internet-Plattfprm Altermedia verurteilt. Schon im Prozess hatte er bekundet, sich Mitte 2010 von Altermedia zurückgezogen zu haben. Statt der rechten Szene wolle er sich fortan mehr der Familie und seiner Verlobten widmen. Kurz zuvor hatte Robert R. zudem einen Brief an die Staatsanwaltschaft Stralsund geschrieben - der Brief, der jetzt die rechte Szene im Land schäumen lässt. "R. hat sich als Kameradenschwein herausgestellt und sich als Idiot bewiesen", heißt es im Internet. Hintergrund: In dem Schreiben beschuldigt R. ein mutmaßliches Mitglied der "Hatecrew Stralsund", den Briefkasten eines Stralsunder Staatsanwaltes in die Luft gesprengt zu haben. Diese Aussage verzeiht die Szene Robert R. nicht: "Wenige Tage bevor am 4. Oktober des letzten Jahres der Prozeß gegen R. und M. vor dem Rostocker Landgericht begann, muß R. der Arsch dermaßen auf Grundeis gegangen sein, daß er sich zu wahrer Niedertracht herabließ", hetzen die sogenannten Kameraden. In einem Leser-Kommentar zum Pamphlet wird denn Robert R. auch gleich als "Denunziant" beschimpft.

Die Staatsanwaltschaft Stralsund bestätigte gestern gegenüber unserer Redaktion die Echtheit des Schreibens, das auch bei der Behörde eingegangen ist. Über den Weg des Briefes hin zu den Betreibern der rechtsextremen Internetseite kann nur spekuliert werden: Anwälte haben natürlich das Recht, Akteneinsicht zu nehmen - und auch Kopien anzufertigen. Möglicherweise waren auch Hacker am Werk. Seitens der Staatsanwaltschaft Rostock - den Anklägern im Altermedia-Prozess, bei dem Robert R. verurteilt wurde - hieß es, dass der Brief in der Hauptverhandlung zur Kenntnis genommen wurde. Bei der Strafmaßbemessung habe er wohl keine oder nur eine sehr, sehr marginale Rolle gespielt. Möglicherweise habe er dazu gedient, einzuschätzen, ob sich Robert R. von der Szene getrennt hat.

Die "Hatecrew Stralsund" wird ausdrücklich im Verfassungsschutzbericht 2010 - der für 2011 ist noch nicht veröffentlicht - erwähnt. "Die ,Hatecrew Stralsund festigte im vergangenen Jahr zeitweilig die rechtsextremistischen Strukturen der Hansestadt Stralsund", heißt es dort. Sie habe ihre Aktivitäten hauptsächlich im Internet entfaltet. Regelmäßig sei die Ablehnung missliebiger Strafvorschriften sowie der demokratischen Staatsform zum Ausdruck gekommen. Auch eine antisemitische Grundhaltung der Gruppe sei wiederholt und in zynischer Weise deutlich geworden.

Außerdem heißt es im Bericht: "Die ,Hatecrew Stralsund berichtete zudem über die Sprengung einer Briefkastenanlage an der Privatanschrift eines Staatsanwaltes, der Strafverfahren gegen Mitglieder der Gruppe geführt hatte. Außerdem wurde ein Bild der zerstörten Anlage veröffentlicht. Ein Zusammenhang der Tat mit der ,Hatecrew Stralsund ist wahrscheinlich." Die Aktion sei auf einer rechtsextremen Internetseite mit der Bemerkung kommentiert worden, "dass sich gewisse Staatsanwälte eben doch nicht alles ungestraft erlauben" könnten. Bei der Seite handelt es sich um diejenige, auf der jetzt Robert R. übel beschimpft wird.

Gerüchte, wonach derzeit geprüft werde, dass einer der beiden Verurteilten aus dem Altermedia-Prozess früher auf freien Fuß gesetzt werden könnte, dementierte das Justizministerium gestern.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen