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Mecklenburg-Vorpommern

21. Oktober 2017 | 09:02 Uhr

Rechtsextreme drängen in Kitas

vom

svz.de von
erstellt am 16.Aug.2010 | 07:19 Uhr

Ludwigslust/Schwerin | Kita-Erzieherinnen in Mecklenburg-Vorpommern haben es nach Einschätzung der Amadeu-Antonio-Stiftung immer häufiger mit Kindern aus rechtsextremen Elternhäusern zu tun. "Es ist eine Strategie der Rechtsextremisten, sich in Kitas beliebt zu machen, etwa wenn es darum geht, den Spielplatz zu renovieren. Und dann zeigen sie irgendwann ihr wahres Gesicht", sagte Sandra Pingel-Schliemann, die in einem Bildungsprojekt der Stiftung für Pädagoginnen in Ludwigslust mitarbeitet.

So habe eine Mutter ein Rezept für einen "Hakenkreuz-Kuchen" zum Kindergeburtstag ins Internet gestellt. In einem anderen Fall habe eine Mutter im Raum Berlin verlangt, dass in der Kita ein Bild mit Migrantenkindern abgehängt werde. Über das Auftreten von rechtsextremistischen Eltern wollte Pingel-Schliemann nicht im Detail sprechen, weil die Fälle von Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen in nicht-öffentlichen Seminaren geäußert worden seien. Sie fügte aber hinzu: "Wir waren überrascht, was an Beispielen gekommen ist, nahezu jede Teilnehmerin konnte von Problemen mit Rechtsextremisten in ihrem Dorf oder ihrer Stadt erzählen."

Erlass als positives Signal

Pingel-Schliemann begrüßte den neuen Kita-Erlass von Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) als "sehr positives Signal". Seit dem 1. August müssen Verantwortliche und Erzieherinnen in neu gegründeten Betreuungseinrichtungen schriftlich erklären, dass sie für die freiheitlich-demokratische Grundordnung eintreten. Selbstverständlich ist das offenbar nicht. Erst am vergangenen Dienstag hatte die Stadt Lüneburg in Niedersachsen eine in Mecklenburg-Vorpommern lebende Erzieherin, die im Verdacht steht, in der rechtsextremen Szene aktiv zu sein, vom Dienst freigestellt. "Die eigene Haltung spielt eine große Rolle im Umgang mit Kindern", betonte die Projektmitarbeiterin. Freiheit und Demokratie müssten im Kita-Alltag mit Leben erfüllt werden. "Lege ich Wert auf Teilhabe der Kinder an Entscheidungen? Biete ich außer dem Morgenkreis auch Kinderräte oder Kinderkonferenzen an?" Allerdings müssten vielen älteren Erzieherinnen, die noch in der DDR ausgebildet wurden, erst noch die Grundlagen der Demokratie vermittelt werden. Auch darum seien die Seminare der Stiftung sehr wichtig.

Im Umgang mit rechtsextremen Eltern ist nach Ansicht von Pingel-Schliemann eine klare Haltung entscheidend. Sie rate den Erzieherinnen: "Lassen Sie sie nicht in Elternräte!" Die Kita-Hausordnung sollte zudem "eindeutig rechtsextreme Kleidung" und fremdenfeindliche Äußerungen verbieten. Die Pädagoginnen sollten mit den Kindern über diese Regeln sprechen.

Wenn Kinder rechtsextremistischer Eltern andere Kinder zum Spielen oder zu Geburtstagsfeiern nach Hause einladen würden, sollten die Erzieherinnen eingreifen. "Wir sagen: Die Eltern (der eingeladenen Kinder) müssen informiert werden, was das für ein Elternhaus ist." Sie müssten über Rechtsextremismus aufklären und die Eltern auffordern, eine klare Haltung einzunehmen. Pingel-Schliemann unterstrich aber: "Das Ergebnis kann nicht sein, dass Kinder rechtsextremer Eltern ausgegrenzt werden, sondern dass man ihnen aufzeigt, dass es andere Wege gibt."

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