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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 15:01 Uhr

Rechter Flyer schockiert Muslime

vom

svz.de von
erstellt am 16.Mär.2012 | 07:26 Uhr

Rostock | Ein offensichtlich rechtsmotivierter Flyer, den Unbekannte momentan in die Briefkästen der Südstadt schmeißen, sorgt bei Rostocks Muslimen für Entsetzen. Angeblich in ihrem Namen wird auf dem Zettel dafür geworben, "den Islam nach Rostock zu bringen". Mehr Muslime würden in die Hansestadt kommen. Und der geplante Moscheebau werde ein Minarett haben, von dem aus die Glaubensbrüder bis zu fünf mal täglich zum Gebet gerufen würden und das den Anspruch auf maßgebliche Teilhabe verdeutlichen werde. In allen Formulierungen schwingt ein drohender Unterton mit.

"So dreist habe ich das noch nicht erlebt", sagt Dr. Ahmed Maher Fakhouri, Vorsitzender des islamischen Bundes in Rostock. Er ist entsetzt und sauer über den offensichtlichen Versuch, Ängste in der Bevölkerung zu schüren. "Der Flyer stammt mit Sicherheit nicht von uns", sagt er. Fakhouri will nun Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei stellen: "Wir werden alle rechtlichen Schritte prüfen, um gegen diese neue Stufe der Diskriminierung vorzugehen." Denn die Behauptungen auf dem verteilten Flyer seien völlig aus der Luft gegriffen.

Stadt verurteilt Stimmungsmache

"Bis zum Bau einer Moschee dauert es noch Jahre", sagt der Vorsitzende. Denn bisher gebe es weder einen fertigen Entwurf noch eine feste Fläche. Lediglich einige Skizzen lägen vor. Diese stammen aus einem Planungs-Wettbewerb, den islamischer Bund, Stadt und Hochschule Wismar Anfang vergangenen Jahres gemeinsam veranstaltet hatten. "Damit wollten wir sowohl eine Perspektive aufzeigen als auch ein Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit in der Hansestadt setzen", sagt Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). Der Versuch, gegen die islamische Gemeinde Stimmung zu machen, treffe ihn ebenfalls. "Bei uns sind ausländische Mitbürger jederzeit willkommen", stellt Methling klar. Deswegen fördere er auch einen Moscheeneubau. Die Muslime seien seit Jahren ohne repräsentativen Treffpunkt in einer Baracke in der Erich-Schlesinger-Straße untergebracht. "Insofern unterstützen wir die islamische Gemeinde bei der Suche nach einen neuen Gebäude", so Methling.

Unterstützung kommt auch von Michael Hugo, dem Vorsitzenden des Vereins Migra und Mitglied im interreligiösen Gesprächskreis. "Ich sehe kein Versäumnis im Dialog", sagt er. Es sei wichtig, nach einer solchen Kampfansage nun gleich Position zu beziehen: "Das ist ein hinterhältiger, menschenfeindlicher Flyer, der die Realitäten verkennt." Zum einen gebe es keine wachsende Zahl von Muslimen in Rostock, zum anderen werde der geplante Moscheeneubau völlig falsch dargestellt. "Natürlich muss darüber gesprochen und gestritten werden", sagt er. Aber das passiere ja auch. Und bisher habe es kaum Gegenwind für die neue Moschee gegeben, die nach Fakhouris Vorstellungen die erste im norddeutschen Stil sein soll. Der Gemeinde-Vorsitzende wünscht sich einen Backsteinbau nach mecklenburgischem Vorbild.

"Bedroht fühle ich mich jetzt nicht", sagt Fakhouri. An solche Aktionen sei er mittlerweile gewöhnt. So habe die NPD beispielsweise vor zwei Jahren schon einen Wahlkampf auf Kosten der Muslime und anderer Ausländer geführt. "Diese Gruppierungen werden uns immer wieder Ärger machen", sagt Fakhouri. Dafür sei die Zusammenarbeit mit der Stadt, anderen Vereinen und Religionsgemeinschaften aber umso besser. "Wir wollen uns auf allen Ebenen einbringen", sagt Fakhouri.

Er plant nun, in die Offensive zu gehen und die Einwohner der Südstadt gemeinsam mit dem Ortsbeirat des Viertels über den wahren Sachstand des Moscheeneubaus aufzuklären. Denn abschotten wollen sich die Muslime nicht.


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