zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 23:25 Uhr

Rechte Schatten statt Olympiafreude

vom

svz.de von
erstellt am 06.Aug.2012 | 08:56 Uhr

Schwerin/Rostock | Selbst im Olympia-Sommer liegen rechte Schatten über Mecklenburg-Vorpommern. Eigentlich hatte sich Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) darauf gefreut, dass die 14 Olympia-Teilnehmer "unser Bundesland exzellent vertreten werden", als er sie nach London verabschiedete. Und jetzt das: Die Affäre um die Ruderin Nadja Drygalla mit ihrer Beziehung zu einem früheren NPD-Mann drängt den Sport in den Hintergrund. Kritiker werfen der Politik in Schwerin schon länger vor, nicht genug Druck auf Rechts zu machen.

Erst kürzlich hatte der Duisburger Politologe Marcel Winter den Schweriner Regierungsparteien SPD und CDU vorgeworfen, die Debatte mit Rechtsextremisten nicht konsequent genug zu führen: "Die Demokraten müssen ihren Druck auf diese Partei erhöhen, öffentlich machen, dass sie keine Lösungen hat", mahnte er, erntete von den Regierungsparteien aber vor allem Kritik.

Spätestens seit den ausländerfeindlichen Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen, die sich in wenigen Tagen zum 20. Mal jähren, steht MV im Ruf, eine Hochburg der Rechtsextremisten zu sein. Seit 2006 sitzt die NPD im Landtag. Und das, obwohl sich zahlreiche Initiativen dem Kampf gegen den Rechtsextremismus verschrieben haben und Innenminister Lorenz Caffier (CDU) ein entschiedener Verfechter eines neuen NPD-Verbotsverfahrens ist.

Doch mit einem möglichen Verbot sei das Problem nicht aus der Welt, mahnt die Rostocker Politologin Gudrun Heinrich. "Die NPD ist Teil eines engmaschigen Netzes, das schon in viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens hineinreicht. Deshalb brauchen wir die stete Auseinandersetzung mit rechtsextremen Ideologien, den Streit mit dem Nachbarn darüber, mit dem Bekannten, dem Freund", fordert sie. Caffier habe eine wichtige Chance vertan, als er 2011 die offene Diskussion vermieden habe. Damals war in seinem Ministerium Drygallas Beziehung zu Fischer bekanntgeworden, die Sportlerin hatte daraufhin den Polizeidienst quittiert - was der Öffentlichkeit allerdings erst jetzt bekannt wurde.

Sellering und Caffier gaben sich bislang wortkarg. Heute soll Caffier in der regulären Kabinettssitzung zum Fall Drygalla Stellung beziehen. Die Sportlerin selbst hat persönliche Kontakte zur rechtsextremen Szene bestritten. Das Innenressort aber war 2011 zu einer anderen Bewertung gekommen. Und es ordnete dem Bekanntenkreis Drygallas auch Personen zu, "die der offen agierenden rechtsextremistischen Szene zugehörig sind".

"Eine frühzeitige Diskussion wäre besser gewesen und hätte auch der Gerüchteküche vorgebeugt", meint Gudrun Heinrich und findet Zustimmung bei den Oppositionsparteien Linke und Grüne. Und Innenexperte Peter Ritter von den Linken im Schweriner Landtag meint: "Drygallas Umfeld war schon länger bekannt. Man hat versäumt, sich vor den Olympischen Spielen offensiv damit auseinanderzusetzen."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen