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Raus aus Schwerin und rein in ein Dorf namens Stove

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erstellt am 20.Mär.2012 | 09:25 Uhr

Stove | Sauwohl scheint sich die vier Monate alte Charlotte Erika zu fühlen. Kein Wunder, denn ihre Spieloase befindet sich inmitten eines ehemaligen Schweinestalls. Die Kleine kann das zwar nicht wissen. Aber ihre Eltern Jeannette und Oliver Prieß erinnern sich noch sehr gut an die Zeit, als sie beschlossen, aufs Land zu ziehen und wie es einst hier aussah.

Damals wollten sie weg aus Schwerin, weg von ihren Nachbarn mit rechtsextremistischer Gesinnung - und Kampfhund. Und: Sie wollten Arbeit im nahe gelegenen Lübeck. "Man kann es auch Ironie des Schicksals nennen, dass wir nach unserem Umzug dann plötzlich doch in Schwerin Arbeit fanden", sagt die 33-jährige Heilerziehungspflegerin. Ihr fünf Jahre älterer Ehemann ist Angestellter bei der Agentur für Arbeit in Schwerin. Beide haben derzeit eine berufliche Auszeit genommen, befinden sich in der Elternzeit, in der sich fast alles um die heimliche Familienchefin mit Kosenamen Charlottchen dreht. "Eigentlich dachten wir, wir hätten dank der Elternzeit total viel Zeit, aber letztlich hält die Kleine uns den ganzen Tag irgendwie auf Trab", verdeutlicht Jeanette Prieß.

Bis November befindet sich die Stoverin noch in der Elternzeit. Danach fängt sie wieder an zu arbeiten. Dann wird ihre Tochter bei einer Tagesmutter in Carlow betreut. "Die Zusage für diesen Platz haben wir schon. Das Kinderbe treuungsangebot ist hier nämlich nicht das schlechteste", so die Heilerzieherin. Ihr Mann wird schon früher zurückkehren an seinen Arbeitsplatz in Schwerin. Das heißt, eigentlich hat er künftig zwei Arbeitsplätze. Denn Zuhause in Stove wird ein Tele-Arbeitsplatz eingerichtet. "Unsere beiden Arbeitgeber geben sich eben viel Mühe, damit wir Beruf und Familie unter einen Hut bringen können. Unsere Chefinnen sind außerdem sehr sozial eingestellt", sagt Oliver Prieß. Dann huscht er aus der Küche und kehrt wenig später mit einer Wolldecke zurück. Damit kuschelt er Charlotte Erika ein.

Ihren Umzug aufs Land haben die Prieß’ bis heute nicht bereut. "Wir haben hier unsere kleine Ranch mit Katze, Schafen und ein paar Hühnern. Und wenn Charlottchen etwas größer ist, kann sie bei unseren Nachbarn zum Reiten gehen, denn die haben Pferde", sagt der Familienvater. Lohnenswert sei das Leben auf dem Lande auch aus einem anderen Grund. Die Kirche biete hier sehr viele Aktivitäten für die Landbevölkerung an. Nur eine Sache vermissen die Prieß’ in Stove: einen Gehweg. Damit sie den Kinderwagen sicher durchs Dorf schieben können. "Wenn es den schon nicht gibt, so entsteht zumindest bald ein Buswartehäuschen in unserer Straße, was auch nicht schlecht ist", sagt Oliver Prieß.


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