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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 04:58 Uhr

Gesundheit : Raus aus der Diät-Falle

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eine Mecklenburgerin nimmt den Kampf gegen die Kilos auf – mit gesünderem Essen, mehr Bewegung und viel Geduld

von
erstellt am 22.Apr.2016 | 11:45 Uhr

Mit den Temperaturen steigt wieder die Zahl der Blitzdiät-Versprechen. In vier Wochen zur Bikinifigur, Abnehmen im Schlaf, Gewichtsverlust mit Pillen. Das klingt zu schön, um wahr zu sein – und funktioniert in der Regel auch nicht. Im Gegenteil: Die verlorenen Kilos kehren durch den Jojo-Effekt wieder zurück.

Das kennt auch Simone Meyer (Name geändert). Nach zwei Schwangerschaften zeigt die Waage bei der 33-jährigen Mecklenburgerin 20 Kilo mehr an als früher. Um den Ballast wieder loszuwerden, hat sie schon vieles probiert, unter anderem die Formula-Diät. Dabei werden Mahlzeiten durch Eiweißshakes oder Riegel ersetzt. Das Problem: Diese Diät ersetzt kein Wissen über gesunde Ernährung. Doch genau das fehlte Simone Meyer, um am Ball zu bleiben. „Ich bin nicht so der Durchhaltetyp“, gibt sie zu.

Deshalb hat sie sich jetzt für einen anderen Weg entschieden. Die berufstätige Mutter will ihr Verhalten dauerhaft ändern, gesünder essen und zumindest etwas mehr Bewegung in ihren eng getakteten Alltag bringen. Die Grundlagen dafür lernt sie gerade in einem Abnehmkurs bei der AOK Nordost. Entsprechende Seminare mit Koch- und Sporttipps gehören inzwischen bei vielen Krankenkassen zum Angebot für die Versicherten.

Internet-Tipp: Hier geht es zu Diäten im Check

„Abnehmen ist das Hauptmotiv bei der Einzelberatung“, bestätigt AOK-Gesundheitsberaterin Gabriela Lengning. Gewohnheiten umzustellen, falle jedoch vielen Menschen schwer. ‚„Das geht nicht mit einseitigen Diäten, sondern nur Schritt für Schritt“, weiß die Kursleiterin.

Zur Orientierung: Im Alter von 25 bis 50 Jahren liegt der tägliche Kalorienbedarf bei Frauen zwischen 1800 und 2400 Kilokalorien – je nachdem, wie sehr sie sich körperlich anstrengen. Bei Männern sind es zwischen 2300 und 3000 Kilokalorien. Abnehmen sei auf jeden Fall anzuraten, wenn der Taillenumfang bei Frauen über 88 und bei Männern über 102 Zentimeter liege, sagt Lengning.

Dabei empfiehlt sie den Kursteilnehmern, sich realistische Ziele zu setzen und die Anforderungen nicht zu hoch zu schrauben. „In der Regel ist ein Gewichtsverlust von 500 Gramm pro Woche ein gesunder Plan.“ Wer das Ganze zu schnell angehe, büße ohnehin nicht nur Fett, sondern auch Muskelmasse und Wasser ein – und riskiere Heißhungerattacken, die das mühsam erreichte Ergebnis wieder zunichtemachen. Deshalb plädiert die Ernährungsexpertin auch dafür, Ausnahmen zuzulassen, etwa Kuchen oder Pralinen in kleinen Mengen zu genießen: „Wichtig ist nur, dass man das große Ganze nicht aus den Augen verliert.“

Simone Meyers Schwachpunkt ist ein süßes Getränk: „Ich bin ein Cola-Trinker.“ Ihr persönlicher Zwischenschritt heißt in diesem Fall Cola Zero. Wohl wissend, dass auch das „nicht gerade ein natürliches Getränk ist“, wie sie betont. Denn das ist es, worauf sie ansonsten achtet: Sich möglichst gesund, ausgewogen „und ohne synthetisches Zeug“ zu ernähren. Ob mehr Gemüse, weniger fette Wurst, selbst zubereiteter Frucht-Joghurt oder der Verzicht auf Fahrstuhlfahrten – Simone Meyer stellt ihr Verhalten gerade nach und nach um. „Seit ich beispielsweise weiß, dass ein Zuckerwürfel drei Gramm wiegt, kann ich viel besser einschätzen, wie viel Zucker ich mit welchen Produkten zu mir nehmen würde“, sagt sie.

Gesünder, bewusster, regelmäßiger und langsamer essen. „Das klingt für viele erst mal langweilig. Kohlenhydrate wegzulassen, hört sich dagegen besser an“, weiß Gabriela Lengning. Doch letztlich komme es auf die Gesamtenergiebilanz des Tages an. Wer einseitig Kohlenhydrate oder Fette reduziere, laufe außerdem Gefahr, seinem Körper zu schaden. Denn Vollkornprodukte mit qualitativ hochwertigen Kohlenhydraten enthalten beispielsweise auch wichtige Ballasttoffe. Hilfreich sei dagegen, Brot und Wurst am Abend öfter mal zu ersetzen, beispielsweise durch Gemüsestückchen mit Kräuterquark-Dip. „Das mögen auch viele Kinder gern“, weiß Lengning.

Abnehmen mit Sinn und Verstand – bei Simone Meyer zeichnen sich erste Erfolge ab. In den ersten sieben Wochen hat sie schon vier Kilo verloren. „Gut finde ich, dass kein Druck aufgebaut wird“, sagt sie. Kein öffentliches Wiegen, kein Blamiereffekt. Für Simone Meyer ist das der richtige Weg. Dass ihr endlich einmal alles richtig erklärt werde, habe ihr Durchhaltevermögen gestärkt, meint die 33-Jährige. Ihr Ziel, von 89 Kilo auf „Anfang 70“ runterzukommen, scheint plötzlich machbar – auch, weil es ruhig Herbst werden darf, bis die Sommerfigur für die kommenden Jahre erreicht ist.

Fünf dicke Irrtümer

Abends essen macht dick

Auch wenn die Verdauung nachts etwas langsamer vorangeht, werden die Nährstoffe genauso gut verwertet wie tagsüber. Entscheidend für eine Gewichtszunahme ist die Gesamtmenge der aufgenommenen Kalorien während des ganzen Tages.

Mit Trennkost nimmt man ab

Es ist nicht ausgeschlossen, mit Trennkost Gewicht zu verlieren. Das hat dann aber eher mit der Auswahl der Lebensmittel als mit dem Trennen von Eiweiß und Kohlenhydraten zu tun. Der Körper kann sehr gut Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße zusammen verdauen.

Ananas ist ein Fettverbrenner

Die angeblichen Schlankmacher-Enzyme aus der Ananas werden durch die Magensäure inaktiv gemacht. Fakt ist, dass es bisher keinen Nachweis dafür gibt, dass bestimmte Lebensmittel den Fettabbau beschleunigen.

Kohlenhydrate sind böse

Ein Abbau von Körperfett setzt immer eine negative Energiebilanz voraus. Wenn die Energiezufuhr den Energiebedarf überschreitet, ist Übergewicht die Folge, egal wie hoch die Anteile von Fett, Eiweiß oder Kohlenhydraten auch immer sind.

Light-Produkte machen schlank

Hier muss man genau hinschauen. Nicht selten haben Fruchtjoghurts mit wenig Fett so viel Zucker, dass der gewünschte Effekt wieder aufgehoben wird. Das Gleiche passiert, wenn fettreduzierte Lebensmittel dazu verführen, insgesamt mehr zu essen. Eine fettreduzierte Salami hat zwar weniger Kalorien als eine normale – aber immer noch mehr als andere Wurstsorten.

 

Quellen: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), AOK

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