Raupen sollen aus der Luft bekämpft werden

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Forstschädling, der bevorzugt Eichen befällt.
Der Eichenprozessionsspinner ist ein Forstschädling, der bevorzugt Eichen befällt.

svz.de von
22. März 2013, 07:51 Uhr

Schwerin | Über die Grenzen der politischen Lager hinweg hat sich im Landtag eine große Koalition zum Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner zusammengefunden. Bis Ende April werde er dessen Larven aus der Luft bekämpfen lassen, kündigte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gestern im Parlament an. Als "Gesundheitsland" dürfe MV solche Gefahren nicht dulden, sagte Maika Friedmann-Jennert (CDU). Die Linke sprach von "einer nationalen Aufgabe". Den Grünen allerdings war nicht jedes Mittel recht, diese zu lösen.

Seit 2007 breitet sich der Falter über das Land aus. Seine Raupen sind mit Härchen voller Nesselgift überzogen, die leicht abbrechen. Auf der menschlichen Haut bilden sich durch sie unangenehme Quaddeln. Gelangen sie in die Lungen, kann das zu Atemnot oder Allergien führen. Besonders im Landkreis Ludwigslust-Parchim und an der Mecklenburgischen Seenplatte wurden die "nimmersatten" Raupen zur Plage. Straßenbauarbeiter, Forstleute und Grünpfleger klagten ebenso wie Mütter und Kinder, die unter einer Eiche auf einem Spielplatz getobt hatten.

Für den wirksamen Kampf gegen die Spinner bleiben nur wenige Wochen im April, bevor die Raupen Härchen bekommen. Aufnehmen muss diesen der Eigentümer des Grundstücks, auf dem Eichen stehen. Allerdings fällt die Wahl der Mittel schwer. Stehen viele Eichen im Wald, deren Blätter abgefressen werden, dürfen härtere Chemikalien eingesetzt werden. Stehen die Eichen in bewohnter Umgebung, so haben die Spinner-Bekämpfer kein zugelassenes Mittel zur Hand. Backhaus hat deshalb beim Bundesumweltministerium eine "Notzulassung" für ein Biozid beantragt, das seiner Meinung nach "als Medikament" dienen könnte, da es um den Gesundheitsschutz der Bevölkerung geht. "Ich verstehe nicht, warum der Bund das nicht genehmigt", so der Minister. Per Hubschrauber will er es versprühen, "wo es notwendig und möglich ist". Die Grünen forderten einen Einsatz vom Boden her, der "gezielt und zeitlich begrenzt" sein müsse. Städte und Dörfer werden jedoch nicht umhinkommen, die Nester der Eichenprozessionsspinner auch mit Industrie-Staubsaugern zu entfernen. Die leeren Häute, die der Falter zurücklässt, bleiben jahrelang gefährlich. Für die Wälder in MV sind die Eichenprozessionsspinner kaum gefährlich. Es gibt kaum Eichen, deren Blätter sie fressen könnten. Maika Friedmann-Jennert malte schwarz, für den Fall, dass der Kampf gegen den Falter nicht gelingt. Dann würden viele Feriengäste fernbleiben. "Die kleinen Raupen fressen uns den touristischen Ast ab, auf dem wir sitzen", so die CDU-Abgeordnete. Minister Backhaus fand das übertrieben. "Nun machen Sie mal keine Panik", rüffelte er seine Koalitionspartnerin.

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