Umweltschutz : Raupen anders bekämpfen?

Unzählige Raupen des Eichenprozessionsspinners kriechen an einem Eichenstamm hoch.
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Unzählige Raupen des Eichenprozessionsspinners kriechen an einem Eichenstamm hoch.

Umweltschützer kritisieren Einsatz aus der Luft / Landkreis verweist auf umfangreiche Untersuchungen

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10. Juni 2015, 12:00 Uhr

Dass etwas gegen die giftigen Eichenprozessionsspinner getan werden soll, ist Konsens. Parchimer Umweltschützer kritisieren allerdings die Methode. Der Wirkungsgrad der Hubschraubereinsätze sei nicht ausreichend und es würden natürliche Gegenspieler der Raupen mit vernichtet. Der Landkreis hält dagegen. Der Einsatz sei wirkungsvoll und es gebe umfangreiche wissenschaftliche Begleitung vor und nach dem Einsatz.

„Es gibt einen besseren Weg als den großflächigen Gifteinsatz gegen den Eichenprozessionsspinner“, sagt Dr. Renate Peßner im Namen des Forums für sauberes Trinkwasser. Diese Bekämpfungsart bewirke keine langfristige Populationsreduktion. Das kleine Zeitfenster für einen optimalen Einsatz würde eine korrekte großflächige Ausbringung fraglich erscheinen lassen.

Der „Wirkungsgrad sei für das Ziel Gesundheitsschutz nicht ausreichend“. Das Ausweiten weniger Befallstellen auf „viele hundert Kilometer Alleen und Kreisstraßen“ lasse den Schluss der vorsätzlich präventiven Behandlung zu, die verboten sei. Das Absaugen der Raupen sei eine Alternative, zumal Experten bei einem Workshop festgestellt hätten, dass die Wirksamkeit des im Landkreis eingesetzten Mittels Dipel ES nicht bewiesen sei. Die Umweltschützer empfehlen die Stärkung der natürlichen Gegenspieler des Eichenprozessionsspinners, konkret mit Nisthilfen für Vögel und Fledermäuse. Zum Gesundheitsschutz biete sich ein dreistufiges Konzept aus den Niederlanden an: Risiko-Analyse, Monitoring und Überwachung, Planung und Einleitung von Gegenmaßnahmen.

Dr. Ute Siering, Leiterin des Fachdienstes Gesundheit beim Landkreis Ludwigslust-Parchim, hält dagegen: „Der Effekt des Hubschraubereinsatzes ist messbar. Die Fläche, in der Befall festgestellt wurde, betrug 2014 noch 1500 Hektar, in diesem Jahr sind es nur noch 400 Hektar.“ Der Einsatz wird von einem umfangreichen Monitoring seitens des Landesamtes für Gesundheit und Soziales begleitet. Mit dabei: Biologen und ein Insektenkundler. Nach den Einsätzen führen Experten eine Bonitierung, also eine Bewertung der Böden durch. Auch das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei begleitet das Verfahren.

„Wir fliegen die Einsätze punktuell“, sagt Dr. Ute Siering, „vorher steht eine genaue Bedarfserfassung. Wir machen es uns gewiss nicht einfach.“ Hinweise auf Raupenbefall geben unter anderem die Mitarbeiter der Kreisstraßenmeistereien. Das Team legt dann die Einsatzorte fest und berücksichtige dabei Umweltaspekte und örtliche Gegebenheiten wie Gewässer.

Dass die Giftraupen nach den Einsätzen wieder einwandern, ist zum Beispiel in der Dömitzer Region zu beobachten. Hier war der Befall zehn Mal höher als die internationale Eingreifschwelle. Deshalb sei die Akzeptanz für die Einsätze hoch. „Uns rufen dann auch eher Bürger an und mahnen an, sie nicht bei den Einsätzen zu vergessen“, sagt Dr. Ute Siering.

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