Raucher-Lungen in Großaufnahme

Mit schonungsloser Aufklärung führt das Projekt "Nichtrauchen ist cool" am Hamburger Uniklinikum Eppendorf Kindern die tödlichen Gefahren des Tabakkonsums vor. Rund 35 000 Schüler aus ganz Norddeutschland haben das Angebot in der Hansestadt in den vergangenen vier Jahren genutzt - darunter auch viele Schulklassen aus MV.

von
30. Mai 2009, 12:58 Uhr

Hamburg/Schwerin | "Meine erste Zigarette habe ich im Gebüsch gefunden und dann geraucht, weil ich erwachsen wirken wollte." Leise schildert der an Lungenkrebs erkrankte Andreas Köpke seinen jungen Zuhörern im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), wie er als 15-Jähriger zum Kettenraucher wurde. Heute ist Köpke 41. "Aber ich fühle mich wie 70 oder 80", erklärt der Handwerker den 9- bis 13-jährigen Schülern. Sein Krebs hat gestreut, Wirbel mussten versteift werden und jetzt die Chemo: "Ich fühle mich unglaublich müde."

"Nichtrauchen ist cool" heißt das Projekt am UKE, mit dem Ärzte Kinder in den vierten bis siebten Klassen vom Rauchen abhalten wollen - auch mit einer Spiegelung einer Lunge, die den Krebs ebenso drastisch zeigt wie Teerbrocken im schleimigen Sekret. "Das ist das, was die Raucher morgens aushusten", sagt Prof. Eckart Laack, Mitinitiator des Projekts, den stöhnenden Kindern im Hörsaal. Ärzte und Patienten haben auf diese Weise bereits rund 35 000 Schüler, die aus Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen angereist sind, vor den tödlichen Gefahren des Tabaks gewarnt.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält schonungslose Aufklärung für den richtigen Weg. Sie hat den Weltnichtrauchertag an diesem Sonntag unter das Motto "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" gestellt und setzt auf abschreckende Fotos auf Zigarettenschachteln. Laut dem Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung raucht etwa jeder dritte Erwachsene.

Laack erklärt die Folgen seinen Zuhörern in klaren Worten: "Jeden Tag sterben in Deutschland 400 Menschen an den Folgen des Rauchens. Das ist so, als ob täglich ein großes Passagierflugzeug abstürzt." Dass Raucher irgendwie anders sind, wissen die Schüler: "Die riechen oft komisch" oder "Sie sind faltiger". Aber dass im Zigarettenrauch mindestens 70 krebserregende Stoffe stecken, nur einer von zehn Lungenkrebs-Patienten überlebt und der Konsum einer Wasserpfeife dem Rauchen von 100 filterlosen Zigaretten entspricht - all dies lässt die Schüler verstummen oder "Oh Gott!" rufen. Bilder von Raucherbeinen und verstopften Arterien, Tumore in Großaufnahme - wie verarbeiten die Kinder solche Eindrücke? "Nur wenige Schüler haben bei den Veranstaltungen, die wir jeden Donnerstag seit vier Jahren anbieten, den Saal verlassen", berichtet Laack. Wichtig ist nach Ansicht des Arztes aber eine ausreichende Vor- und Nachbereitung in der Schule. Für Entwöhnungskurse für nikotinsüchtige Kinder und Jugendliche kommen UKE-Mitarbeiter auch an die Schulen - bei Bedarf auch bis nach Westmecklenburg. Die Aufklärung müsse so früh beginnen, meint auch Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Denn von den 12- bis 17-Jährigen griffen im Jahr 2008 bereits 15 Prozent zur Zigarette.

Im Umgang mit dem schwer kranken Andreas Köpke zeigen die Kinder keine Berührungsängste und wollen von ihm wissen, ob Freunde nach seiner Krebsdiagnose auch mit dem Rauchen aufgehört haben und ob der Tabak-Qualm im Hals brennt. Geduldig und sanft beantwortet Köpke alle Fragen. Nur zum Schluss appelliert er im ernsten Ton an die Schüler: "Fangt bloß nicht mit dem Rauchen an! Es schmeckt nicht, es kostet viel und es ruiniert eure Gesundheit."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen