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Umweltamt legt Brutvogelkartierung für Schweriner Seen vor : Rastplatz für 12 000 Wasservögel

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Der Schweriner See ist ein Vogelschutzgebiet von europäischer Bedeutung. 20 Brutvogelarten konnten auf dem See und im Röhricht nachgewiesen werden. Dies ergab eine Brut- und Rastvogelkartierung.

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erstellt am 24.Nov.2011 | 10:00 Uhr

Schwerin | Der Schweriner See ist ein Vogelschutzgebiet von europäischer Bedeutung und als Flora-Fauna-Habitat (FFH-Gebiet) der EU ausgewiesen. Für größere Bauvorhaben am Wasser sind daher FFH-Verträglichkeitsprüfungen erforderlich. Zur Erhebung entsprechender Daten hatte die Stadt deshalb im vergangenen Jahr eine Brut- und Rastvogelkartierung in Auftrag gegeben. Umweltabteilungsleiter Dr. Hauke Behr stellt die Ergebnisse vor und erläutert den Hintergrund: "Wir brauchen die Angaben unter anderem für die Planungen der Marinas am Werderkanal und am alten Hafen am Ziegelinnensee und für die Entwicklung des ehemaligen Klärwerksgeländes in der Bornhövedstraße, aber auch für die Beurteilung der Bestandsentwicklung der Brut- und Rastvögel und das Ableiten von Schutzmaßnahmen", verweist Behr auf den praktischen Nutzen.

Beauftragt worden waren mit der Kartierung zwei erfahrene Ornithologen mit Ortskenntnis: Dr. Wolfgang Scheller und Dr. Horst Zimmermann. Untersucht wurden von ihnen schwerpunktmäßig der Schweriner Innensee und der Ziegelaußensee hinsichtlich der Brutverbreitung von Wasservogelarten und weiteren schilfbewohnenden Arten. Zudem wurde eine Rastvogelkartierung durchgeführt. "Da uns schon Daten aus dem Jahre 2002 vorlagen, konnten zudem aussagekräftige Vergleiche gezogen und Entwicklungstrends ermittelt werden", berichtet Behr.

Die Ergebnisse sehen so aus: 20 Brutvogelarten konnten auf dem See und im Röhricht nachgewiesen werden. Dominant sind der Haubentaucher mit 733 gezählten Brutpaaren, das sind fünf Prozent des gesamten deutschen Bestandes, und das Blässhuhn, auch Zappe genannt, mit 384. Das Gewässer mit seinen ausgedehnten Röhrichtbeständen und zum Teil naturnahen Ufenzonen ist zudem regional bedeutsames Brutgebiet für Höckerschwan, Graugans, Stock-, Schell-, Reiher-, Tafel-, Schnatter- und Kolben ente, Gänsesäger, Eisvogel, Rothalstaucher, Kranich, Rohrdommel, Rohrweihe, Teichhuhn und Wasserralle. Beobachtet wurden zudem Seeadler, Wachtelkönig, Weißstorch, Wespenbussard, Zwergschnepper, Sperbergrasmücke, Schwarz- und Mittelspecht, Schwarz- und Rotmilan, Neuntöter, Heidelerche und Blaukehlchen. Besonders positive Entwicklungen im Vergleich zu 2002 verzeichneten die Brutbestände von Höckerschwan (jetzt 32 statt 23), Graugans (22/2), Schnatterente (18/7), Kolbenente (18/4), Schellente (59/19), Stockente (106/83), Haubentaucher (733/601). Schwerster Verlust: Die Große Rohrdommel war als Brutvogel verschwunden. "Erheblichen Einfluss auf die Rückgänge bei einigen Arten, darunter auch beim Blässhuhn, hatte der lange und schwere Winter", resümiert Behr.

Als Rastvögel wurden zwischen April und November 35 Arten gezählt - zeitweilig machen bis zu 12 000 Tiere hier Station. Den größten Anteil bildeten Blässhühner mit fast 7000 Exemplaren. Stark vertreten mit jeweils mehr als 1000 Individuen waren zudem Lachmöwe, Haubentaucher, Schellente, Reiherente und Graugans. "Der Schweriner See ist für die Bestände von Haubentaucher und Blässhuhn im Land von existenzieller Bedeutung", fasst der Naturschutzexperte zusammen.

Daraus resultiere indes auch eine besondere Verantwortung für den Bestandsschutz. Denn Dr. Scheller und Dr. Zimmermann haben bei ihren zahllosen Fahrten mit Motorboot und Kajak festgestellt, dass zahlreiche Wassersportler und Bootsführer die mit Tonnen markierten Schutz- und Ruhezonen ignorieren. Spezielle Maßnahmen zum Schutz des Schilfgürtels wie etwa die Rammung von Buhnen am Südufer des Schelfwerders hätten außerordentlich positive Auswirkungen auf die Flora und Fauna, berichtet Dr. Behr. Dort wurde die höchste Artenvielfalt auf 100 Meter Uferlänge registriert.

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