Hut ab vor Karsten Gadow und Marcel Müller : Rastower lassen Mittelalter aufleben

Werden sich so beim Erntefest in Rastow präsentieren: Marcel Müller (l.) in einem Gambeson, einer wattierten Schutzjacke, und Karsten Gadow in der Johanniter-Gewandung mit Kettenhaube und Topfhelm. Foto: Heidrun Pätzold
Werden sich so beim Erntefest in Rastow präsentieren: Marcel Müller (l.) in einem Gambeson, einer wattierten Schutzjacke, und Karsten Gadow in der Johanniter-Gewandung mit Kettenhaube und Topfhelm. Foto: Heidrun Pätzold

Dass sie beim Umzug des Erntefestes am 1. September in Rastow dabei sind, steht fest. Die Rede ist von den Mitgliedern des Vereins Mittelalter Rastow. Die Männer werden sich in ihrer Ritterkleidung präsentieren.

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27. Juli 2012, 11:59 Uhr

Rastow | Dass sie beim Umzug des Erntefestes am 1. September in Rastow dabei sind, steht fest. Die Rede ist von den Mitgliedern des Vereins Mittelalter Rastow. Die Männer werden sich in ihrer Ritterkleidung, den so genannten Gewandungen, präsentieren. Die Frauen sitzen auf einem noch herzurichtenden Leiterwagen und gehen handwerklichen Arbeiten wie Körbeflechten nach. Und die Kinder laufen als Gaukler beim Umzug mit. So etwa stellt sich Karsten Gadow (35) das vor. "Wir nutzen gern die Möglichkeit, uns bei diesem Umzug zu präsentieren", sagt der Vereinsvorsitzender. Und sein Stellvertreter Marcel Müller (35) ergänzt: "Unser Verein ist noch jung. Deshalb liegt uns daran, uns zu solchen Anlässen vorzustellen." Schon bei der Aktion "Kunst offen" zu Pfingsten hatten sie das Angebot der Gemeinde dafür angenommen.

Die Idee, einen Verein zu gründen, sei in einer Herrentags-Runde entstanden, berichtet Karsten Gadow. Er stammt aus Brandenburg, stand bei den Hussitenfestspielen, das sind Mittelalterfeste, in Bernau mit auf der Bühne. "Die Zeit des Mittelalters hat mich schon als Kind interessiert", sagt er. Und die Freunde Marcel Müller und Wolfrum Roggensack hatten sich schon spielerisch mit dieser Zeit beschäftigt. "So richtig live ausgelebt haben wir das Hobby damals nicht", sagt Müller. Das Trio war der Meinung, dass sich das alles in einem Verein bewerkstelligen lässt. Sieben Mitglieder haben dann zu Beginn dieses Jahres "Convictio ex Radestowe" gegründet. Der lateinische Name lautet übersetzt Gemeinschaft aus Rastow. Mittlerweile zählt der Verein 13 Mitglieder, sie kommen aus Schwerin, Plate, Fahrbinde, Lübesse - und natürlich aus Rastow. Karsten Gadow, derzeit Student für Technik, ist in Kulow bei Rastow zu Hause, Marcel Müller, von Beruf Polizist, in Ras tow. Beide sind Familienväter. Im Verein stark eingebunden ist zudem Michael Worreschk.

"Das Mittelalter wird im Allgemeinden als das dunkle Zeitalter bezeichnet", erklärt Gadow. "Licht in das Dunkel zu bringen und das Leben der Menschen in der Region Rastow zwischen 1100 und 1400 zu erforschen und darzustellen, das ist unser Anliegen." Dass dabei das Wirken der Ritter und Knappen eine wichtige Rolle spielt, liegt auf der Hand. Erst jüngst, bei einer Kinderfreizeit auf dem Pfarrhof der Kirchgemeinde Uelitz, hatten die Ras tower Ritterspiele aufgeführt - in voller Montur.

Dennoch ist der Schwerpunkt ein anderer. Es gehe darum, Interessierten die Möglichkeiten zu geben, sich mit dem Leben, insbesondere dem Handwerk des Mittelalters vertraut zu machen. Mit ersten Projekten haben die Vereinsmitglieder bereits angefangen. Marcel Müller: "Die ersten Kerzenständer aus der eigenen kleinen mobilen Schmiede sind fertig. Ebenso aus Weide geflochtene Nistkästen und aus Filz gefertigte Dekosachen." Und für den ersten selbst hergestellten Met gab es auch schon Anerkennung.

"Wir wollen das alte Handwerk - vom Korbflechten über Holzbearbeitung bis zu Schmiedearbeiten - bewahren und es Jüngeren nahe bringen", betont der Vereinsvorsitzende. Dafür sollen Schritt für Schritt kleine Werkstätten eingerichtet werden. Von einem Schmied holen sich die Männer Tipps, wie sie am besten Nägel, Beschläge oder Scharniere herstellen können, die beim Bau von geplanten Hütten benötigt werden. Vorstellen können sich Karsten Gadow und seine Mitstreiter, ein Mittelalter-Dorf in Rastow entstehen zu lassen. Das könnte sich zu einer Attraktion in dieser Region entwickeln, so Karsten Gadow. Dass das Zeit, vor allem aber auch Geld und viel Arbeit kostet, weiß er. Aus dem Verkauf der handgefertigten Gegenstände kommt zwar Geld in die Vereinskasse, aber längst nicht so viel, wie dafür benötigt werde. Deshalb seien Investoren und Sponsoren für dieses Projekt wichtig. Aber auch weitere Gleichgesinnte sind willkommen, unterstreicht der Vereinsvorsitzende. Interessierte können sich bei ihm unter Ruf 0174 -39 43 031 melden.


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