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Mecklenburg-Vorpommern

20. Oktober 2017 | 03:43 Uhr

Landwirtschaft MV : Raps hat Krebs

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kohlhernie – eine seltene Krankheit führt zur Vernichtung vieler Flächen im Rapsland MV. Morgen Krisengipfel

von
erstellt am 19.Mai.2016 | 11:45 Uhr

Erst die Milchkrise, dann die Schweinekrise – und nun der Raps: Für die Bauern im Land sieht es derzeit alles andere als rosig aus. „2016 ist ein ganz, ganz schlechtes Jahr. Denn nicht nur die Tierproduktion steht auf wackligen Beinen, auch im Ackerbau lassen gute Prognosen auf sich warten“, sagt Gerd Rupnow, Vorsitzender des Bauernverbandes Ostvorpommern.

Kohlhernie heißt das Pro-blem. Auch als Rapskrebs bekannt. Von dem Parasiten sind zahlreiche Flächen im Land befallen. Ein Monitoring der Firma rapool zeigt eine deutliche Konzentration im Norden Deutschlands. Allerdings ist die Erhebung nicht vollständig, denn die Teilnahme der Bauern ist freiwillig.

Der Scheinpilz breitet sich im Boden aus, befällt die Wurzeln – die Pflanze kippt um. Teilweise durch eine zu frühe Aussaat bedingt. Kohlhernie wird durch feuchtes Wetter begünstigt und lässt sich nicht bekämpfen. „Mindestens 20 Jahre kann auf diesen Flächen Raps nicht wieder angebaut werden“, erklärt Silvia Tetzlaff vom Landwirtschaftsunternehmen Sarmstorf bei Güstrow. 50 Prozent ihrer Anbauflächen leiden unter der Kohlhernie. Den Großteil musste die Firma umbrechen. Die Investitionen für Saatgut und Ackerbestellung waren umsonst und Einnahmen fallen weg. Aber das ist nicht alles. Alle Ackergeräte müssen nach dem Umbrechen und Spritzen der Fläche gründlich gereinigt werden: jeder Traktor, jede Spritze. Das sei ein „Riesenaufwand“.

Auch bei der Agrar Lübstorf ist das Problem bekannt: „Wir haben 200 Hektar umbrechen müssen, das ist etwa ein Viertel unseres Bestandes“, erklärt Hansjörg Rotermann. Auch benachbarte Landwirte haben Kohlhernie im Raps.

Der Landesbauernverband will sich morgen mit den regionalen Verbänden zu dem Problem verständigen. Die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und verschiedene Pflanzenzüchter haben sich eingehend mit der Kohlhernie beschäftigt. „Wir hatten jüngst eine Versammlung zu dem Thema in Dargun. Broschüren wurde ausgearbeitet und geben gute Hinweise für die Landwirte“, sagt Silvia Tetzlaff, die Mitglied im Saatgutverband ist.

Im Rapsland MV wurden 2015 rund 238 000 Hektar Raps angebaut. Silvia Tetzlaff sorgt sich um die großen gelbblühenden Flächen: „Zwei Sorten gibt es, die resistent gegen Kohlhernie sind. Wie lange das noch so bleibt, ist ungewiss. Ein weiteres resistentes Gen ist noch nicht gefunden.“ 

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