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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 09:53 Uhr

Randale in Rostock-Lichtenhagen

vom

svz.de von
erstellt am 29.Aug.2012 | 08:36 Uhr

Linksautonome Randalierer haben bei der Demonstration am Wochenende in Rostock-Lichtenhagen versucht, einen Lidl-Supermarkt zu plündern und Polizeibeamte derart attackiert, dass diese sich zurückziehen mussten. Entsprechende Informationen unserer Redaktion bestätigte gestern eine Lidl-Sprecherin und die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG). Politik und die Spitzen der Sicherheitsbehörden hatten bislang behauptet, dass die Demo zum Gedenken an die ausländerfeindlichen Krawalle vor 20 Jahren mit etwa 5000 Teilnehmern friedlich verlaufen sei.

Noch am Montag sprach Innenminister Lorenz Caffier (CDU) per Pressemitteilung von "den positiven Bildern und Eindrücken... die am Wochenende von Rostock ausgingen." Das Innenministerium und die Polizeiinspektion Rostock gaben gestern "wegen der kurzfristigen Terminsetzung" der Fragen unserer Redaktion noch keine Stellungnahme ab. Nach Zeugen-Aussagen wurden im Lidl-Markt direkt beim Lichtenhagener Sonnenblumenhaus massiv Kunden belästigt, Waren aus den Regalen genommen und geöffnet.


"Wir mussten die Filiale mit Unterstützung der Polizei um 18 Uhr schließen. Der Markt hätte bis 20 Uhr geöffnet sein sollen. Ansonsten wollen wir die Vorgänge nicht weiter kommentieren", sagte eine Lidl-Sprecherin. Aus dem Innenministerium nahe stehenden Kreisen verlautete, dass der Vorfall im Lagefilm des Einsatzes dokumentiert sei, im offiziellen Abschlussbericht aber wohl nicht auftaucht. "Die eingesetzten Polizeibeamten haben die Stimmung der autonomen Blöcke bei der Demo als extrem aggressiv empfunden. Letztlich fehlte nur der zündende Funke zur Randale.

Die eingesetzten Konfliktteams der Polizei wurden von den Autonomen beschimpft, bespuckt, getreten und geschlagen, so dass sie den Einsatz abgebrochen und sich zurück gezogen haben", hieß es weiter. Dass der Supermarkt schließen musste und sich Konfliktteams Attacken ausgesetzt sahen und zurückgezogen haben, bestätigte Ronald Müller, Vize-Landesvorsitzender der Deutsche Polizeigewerkschaft. Gemessen an der Gesamtteilnehmerzahl sei die Demo aber doch friedlich verlaufen, schätzte er ein. Im Internet bekannte sich unterdessen die "Arbeitsgruppe antifaschistischer Fuchsschwanz" auf der Webseite des alternativen Mediennetzwerks indymedia zu der Fällung der am Wochenende gepflanzten Friedenseiche. In dem Schreiben hieß es, die Eiche sei als "Symbol für Deutschtümelei und Militarismus... für die Menschen, die 1992 dem Mob in Rostock-Lichtenhagen ausgesetzt waren, ein Schlag ins Gesicht".

Rostocks Senatorin für Soziales, Liane Melzer, sagte: "Das Absägen der Eiche ist ein Zeichen, dass der Aufarbeitungsprozess noch längst nicht beendet ist." Es werde ein neuer Baum gepflanzt. Der Landesvorsitzende der Bündnisgrünen, Andreas Katz, teilte in Schwerin mit, das Absägen des Baums sei "kein probates Mittel der Auseinandersetzung um eine angemessene Aufarbeitung der Pogrome". Zugleich forderte er Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) auf, eine Debatte um ein angemessenes Gedenken an Opfer rechter Gewalt in der Hansestadt zu führen. Das Bündnis "20 Jahre nach den Pogromen - Das Problem heißt Rassismus" forderte die Stadt auf, sich bei der geplanten Neupflanzung des Gedenkbaumes für einen Baum zu entscheiden, "der nicht für Deutschtümelei steht". Das Bündnis hatte am Samstag unter anderem die Demonstration in Rostock organisiert, an der etwa 5000 Menschen teilnahmen.

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