zur Navigation springen

Waffenexport in Irak : Raketenwerfer und Feldküchen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Von Waren/Müritz werden Waffen, Fahrzeuge und andere Güter in den Nordirak geschickt

svz.de von
erstellt am 18.Sep.2014 | 20:00 Uhr

Seit Wochen liefern sich kurdische Peschmergakämpfer im Nordirak erbitterte Kämpfe mit der islamistischenTerrorgruppe IS. Nun könnte ausgerechnet im kleinen Ferienort Waren/Müritz die entscheidende Weiche für den Ausgang der Auseinandersetzungen gestellt worden sein. Denn auf dem Bundeswehrstützpunkt am Platz des Friedens werden derzeit Hilfslieferungen für die kurdischen Peschmerga-Kämpfer vorbereitet. Nachdem am 5. September unter anderem Schutzwesten und Helme verschickt worden waren, wird der aktuelle Transport deutlich brisanter. In mehreren Lagerhallen liegen unter anderem 20 Raketenwerfer, 4000 Gewehre und 120 Panzerfäuste. Hinzu kommen neben 25 Feldküchen auch Last- und Geländewagen der Typen Wolf und Unimog. Hinter einer der Hallen stehen die Fahrzeuge schon für den Abtransport bereit.

Losgeschickt werden die Waffen in drei separaten Lieferungen. Die erste wird unter anderem 4000 Sturmgewehre beinhalten und soll noch in der kommenden Woche von Waren über Leipzig nach Bagdad geflogen werden. An welchem Tag genau der Flieger Richtung Irak startet, ist vor allem davon abhängig, welcher Flugzeugtyp letztlich zur Verfügung steht. In Frage kommen vor allem russische und ukrainische Antonow-Flugzeuge, die die Bundeswehr auf Grundlage eines langjährigen Vertrags angemietet hat. Sicherheitsbedenken gibt es trotz der Ukraine-Krise und der Sanktionen gegen Russland nicht. Es gebe „keinerlei Indikatoren“, dass da irgendetwas schieflaufen könnte, sagt der Cheflogistiker des Materiallagers, Oberst Thomas Jung.

Die Antonow-Flugzeuge sind die größten der Welt und können 60 bis 80 Tonnen Material transportieren. Die Transall-Maschinen der Bundeswehr schaffen dagegen nur fünf Tonnen. Insgesamt haben die für den Irak vorgesehenen Waffen allerdings ein Gewicht von 610 Tonnen – das entspricht 120 Transall-Ladungen.

Sind die Waffen erst einmal in Bagdad angekommen, liegt die Verantwortung für ihre Verteilung bei der irakischen Regierung. Sie muss dafür sorgen, dass die Lieferungen in die richtigen Hände gelangen. In einer sogenannten Endverbleibserklärung ist diese Verpflichtung offiziell festgehalten. „Damit versichert die irakische Regierung, dass sie das Material nicht ungenehmigt an Dritte weitergeben wird“, erklärt Oberst Thomas Jung.

Mit dem Bereitstellen der Waffen ist die Hilfe der Bundeswehr jedoch noch nicht getan. Die deutschen Soldaten geben den Peschmerga auch das nötige Know-how für die Handhabung der gesamten Technik mit. Noch in der nächsten Woche kommen 30 irakische Kurden nach Deutschland, um den Umgang mit Raketenwerfern des Typs „Milan“ sowie die Bedienung der Feldküchen zu lernen. „Sie sollen für uns Multiplikatoren vor Ort sein“, sagt Oberstleutnant Klaus Brandel vom Landeskommando Mecklenburg-Vorpommern. In diesem Sinne werden die kurdischen Kämpfer so ausgebildet, dass sie wiederum ihre Mitstreiter vor Ort in Kurdistan ausbilden können.

Bis es losgeht, haben die Soldaten und zivilen Mitarbeiter vor Ort noch ein paar Tage Zeit, um alles vorzubereiten. Doch obwohl der kleine Stützpunkt durch den aktuellen Auftrag im Fokus der Weltöffentlichkeit liegt, lässt sich vor Ort niemand aus der Ruhe bringen. „Das ist im Grunde genommen ein Auftrag wie jeder andere auch. Das ist eigentlich nichts Besonderes“, sagt Oberst Thomas Jung. Normalerweise würden in dem Materialdepot Güter für Afghanistan zusammengetragen und verschickt. „Die Abläufe unterscheiden sich im Grunde nicht.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen