Vier Überfälle in drei Tagen : Räuber jagen Bank in die Luft

 
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Foto: Stefan Tretropp

Täter nehmen Geldautomaten in Stralsund, Velgast und Rövershagen ins Visier. Polizei hat noch keine Spur

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06. November 2015, 09:13 Uhr

Die Tresortür ist aus den Angeln gehoben. Kabel ragen von der Decke. Die Scheiben sind zerborsten. Die Velgaster Sparkassen-Filiale in der Straße der Jugend gleicht einem Trümmerfeld.

Eine absichtlich herbeigeführte Explosion mittels Sprengstoff, vermutet die Polizei. In der Nacht zu gestern hörte eine Zeugin einen lauten Knall. Gegen 4.20 Uhr löste der Alarm der Sparkasse aus. Die Täter flüchteten nach ihren Angaben in einem schwarzen Pkw. Sie sind bislang nicht gefasst. Die Polizei sperrte die Filiale daraufhin ab. Die Freiwillige Feuerwehr löschte ein offenes Feuer. Noch in den Morgenstunden haben Kriminaltechniker mit ihrer Arbeit begonnen. Bewaffnet mit Zollstock und Fotoapparat, gekleidet in weißen Overalls. „Bislang gehen wir davon aus, dass in Velgast kein Geld gestohlen wurde“, sagt Nicole Buchfink, Pressesprecherin des Präsidiums Neubrandenburg. 



Der Übergriff in Velgast ist kein Einzelfall – er ist bereits der vierte in dieser Woche. Am Dienstag erbeuteten Täter in Stralsund mehr als 100 000 Euro. Bis dato der größte Geldautomatenbruch des Jahres in Mecklenburg-Vorpommern. Sie knackten einen Automaten einer Sun-Tankstelle, die sich noch bis zum Dezember im Umbau befindet. Zwei Tage später der nächste Angriff. Wieder in Stralsund, wieder ein Automat – dieses Mal ohne Erfolg. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von 500 Euro. Die Täter sind noch immer nicht gefasst. Ein Zusammenhang der beiden Überfälle sei laut Polizei nicht auszuschließen. „Wir überprüfen zurzeit, ob die Stralsunder Fälle in Verbindung stehen“, sagt Buchfink. Und dann platzt mitten in die Ermittlungen die Explosion in Velgast. 

Doch bereits in derselben Nacht gab es eine Tat nach ähnlichem Muster. Gegen 2.45 Uhr in Rövershagen bei Rostock. Vermutlich mit Gasflaschen bewaffnet drangen drei maskierte Männer in die Sparkassen-Filiale am Rosengrund.  Ein Kunde betrat die Bank, als die Täter gerade die Sprengung vorbereiteten. Überstürzt verließen sie die Sparkasse. Laut Aussage  des  Zeugen verstauten sie die Gasflaschen im Kofferraum, bevor sie flohen. In einer dunklen Limousine, wie er der Polizei erklärte. Dasselbe Fahrzeug, das anderthalb Stunden später in Velgast nach der Explosion an der Sparkasse gesichtet wurde? Beide Orte trennen 45 Kilometer . Durch die B 105 sind sie direkt miteinander verbunden.  Der Zusammenhang würde laut Polizei  geprüft. „Natürlich auch zu den ersten beiden Übergriffen, die in Stralsund stattgefunden haben“,  sagt  Buchfink.

In MV war es in diesem Jahr vermehrt zu Angriffen auf Geldautomaten gekommen: Im März machten sich Unbekannte in Greifswald mit einer Flex an einen Automaten. In Velgast probierten es Einbrecher bereits im Januar, einen Geldautomaten durch Gas zu sprengen. Sie blieben ohne Erfolg. Meist hinterlassen die Täter nur eine Spur der Verwüstung. Wie bei der Filiale in Velgast.

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