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Wolf bei Warin? : Rätselraten um ein getötetes Schaf

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Expertin ist sich sicher: Raubtier war beteiligt, aber es gibt keinerlei Hinweis auf einen Wolf

von
erstellt am 29.Mai.2015 | 06:00 Uhr

Unruhe im Jagdrevier bei Warin: Manfred Blank war fest davon überzeugt, dass es ein Wolf war, dem in der vorigen Woche ein Schaf aus einer Herde am Tönniesbach zum Opfer fiel. Der so genannte Kehlgriff sei für ihn ein klares Indiz. Blank ist der Jagdpächter für das 114 Hektar große Revier hinter Waldheim. Der Schäfer, zu dem er ständig in Kontakt stehe, habe das getötete Tier auf der umfriedeten Weide entdeckt. Sofort hätten sie die Wariner Naturparkverwaltung verständigt. Der stellvertretende Leiter Jan Lippke und Kristin Zscheile, Wolfsbeauftragte beim Landesamt für Natur, Umweltschutz und Geologie (Lung) in Güstrow, waren schnell zur Stelle.

„Es gibt keinen Hinweis, dass ein Wolf das Schaf gerissen hat“, widerspricht die
Expertin für solche Fälle dem Jagdpächter. Sie ist eine von sieben Rissgutachtern in MV. Oberhalb des Kehlkopfes habe es einen Bluterguss gegeben, aber von „einem Tötungsbiss durch die Decke“, wie es für einen Wolf typisch wäre, fehlten jegliche Spuren. Da die Wollschicht bei dem Schaf relativ dünn gewesen sei, wären die gleich aufgefallen.

„Der Kehlkopf war intakt und auch kein Knochen durchgebissen“, so Zscheile weiter. „Hätte ein Wolf das Schaf gerissen, wäre der Kehlkopf kaputt gewesen.“

Als weiteres Indiz, dass es nicht der graue Räuber gewesen sein könne, nennt die
Expertin, dass nur ein Schaf betroffen war. Ein Wolf reiße in der Regel mehrere Tiere.

Da bei dem getöteten Schaf keine Einbisslöcher zu entdecken waren, sei die Entnahme einer genetischen Probe nicht in Frage gekommen. Die hätte am genauesten Aufschluss gegeben.

„Es war noch alles frisch. Wird die Probe innerhalb von 24 Stunden entnommen, bestehen gute Chancen, damit etwas anfangen zu können“, sagt die Wolfsexpertin.

Es gebe für sie allerdings keinen Zweifel, räumt Zscheile ein, dass ein Raubtier über das Schaf hergefallen sein müsse. Genauso sei davon auszugehen, dass dieses erst getötet und dann angefressen wurde. Durch welches Tier, dahinter stehe ein großes Fragezeichen. Hinterher wären sicherlich Vögel dran gewesen. Dem Schäfer bescheinigte Zscheile, dass „der Zaun gut gestellt war“.

Wolf-Dietmar Vetter, Vorstandsvorsitzender der Wariner Pflanzenbau eG, die rund 1500 Schafe hält, davon 700 in ein oder zwei Herden derzeit hier am Tönniesbach, ist etwas erleichtert. „Wir wissen seit drei Jahren, dass sich in der Region ein Wolf aufhält. Hätte der nun zum ersten Mal ein Schaf gerissen, wäre das für uns eine völlig neue Situation, auf die wir uns schnell einstellen müssten.“

Mit einer im Umfeld genommenen Losungsprobe hatte Kristin Zscheile im Herbst vorigen Jahres nachgewiesen, dass sich ein männlicher Wolf im Naturpark Sternberger Seenland aufhält. Den hat Frank Schmidt aus Blankenberg, seit 30 Jahren Jäger, am 10. September gegen Abend im Wald bei Klein Görnow auch gesehen.

Wer meint, einen Wolf zu
sehen, sollte den laut ansprechen oder sogar anschreien, auf alle Fälle stehen bleiben und sich groß machen, rät Wolfsexpertin Kristin Zscheile. Jede schnelle Bewegung dagegen werde als Fluchtreflex gedeutet.

 

 

 

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