Robben Greifswalder Bodden : Rätselhafter Tod mit drastischen Folgen

Experten des Deutschen Meeresmuseums untersuchen die toten Kegelrobben.
Experten des Deutschen Meeresmuseums untersuchen die toten Kegelrobben.

Robbenbestand im Greifswalder Bodden um die Hälfte dezimiert

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05. Februar 2018, 20:55 Uhr

Der mysteriöse Tod von 23 Kegelrobben im Greifswalder Bodden hat nach Einschätzung des Bundesamtes für Naturschutz drastischere Folgen als bislang angenommen. In den Boddengewässern südlich von Rügen lebten in den Herbstmonaten der letzten Jahre bis 2016 etwa durchschnittlich 50 Tiere. Durch die Todesfälle im Herbst südlich der Küste der Rügen-Gemeinde Thiessow seien somit rund 50 Prozent der sonst üblichen Herbstpopulation in dieser Region umgekommen, sagte der Leiter der Abteilung Meeresnaturschutz des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Henning von Nordheim.

Bei den letzten zwei Zählungen am Stubber, die im November 2017 durchgeführt wurden, seien nur noch zehn beziehungsweise elf Tiere gezählt worden. Der Stubber ist eine Untiefe im Greifswalder Bodden, auf der die Kegelrobben gern liegen.

Wann sich der Bestand wieder erholt, könne nicht prognostiziert werden, sagte von Nordheim. „Da in deutschen Gewässern der Ostsee bislang keine Geburten von Kegelrobben nachgewiesen wurden, kann der Wiederaufbau des Bestandes nur durch zuwandernde Tiere aus anderen Ostseeregionen erfolgen.“

Unterdessen laufen die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zum Tod der Meeressäuger weiter. Anhaltspunkte, wer in Verbindung mit dem Tod der Robben stehen könnte, würden weiter geprüft, sagte der Sprecher der Stralsunder Staatsanwaltschaft Martin Cloppenburg. Eine Beschuldigtenvernehmung habe es bislang nicht gegeben.

Zwischen September und Dezember 2017 waren 23 tote Kegelrobben an der Nordküste des Greifswalder Boddens entdeckt worden. Experten des Deutschen Meeresmuseums hatten die äußerlich unversehrten Tiere untersucht und konnten ausschließen, dass die Tiere an Viren, Bakterien oder Giften starben. Sie gehen davon aus, dass die Meeressäuger an akutem Herz- und Kreislaufstillstand durch Ertrinken starben. Ein solcher Tod sei in nach oben geschlossenen Reusen möglich.

Das Meeresmuseum erstattete Anzeige wegen der Tötung einer besonders geschützten Art. Die Fischereibranche, die seit Jahren über die wachsenden Robbenbestände klagt, hatte einen Verdacht zurückgewiesen.

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