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Geschichte(n) : Rätselhafter Holzbohle auf der Spur

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hinweise zum historischen Fußbodenbelag aus einer ehemaligen Kaserne in Schwerin führen nach Balow und Plau am See

von
erstellt am 18.Sep.2014 | 12:00 Uhr

Nachdem wir vor rund zwei Wochen über den Fund einer historischen Holzbohle mit der Inschrift „Dieser Fußboden wurde von Stellmacher Groth gelegt. Am 29. August 1939 in den kritischen Tagen mit Polen“ berichtet hatten, erreichten uns gleich mehrere Zuschriften von unseren Lesern. Fritz Schriewer hält die drei Meter lange Bohle in Ehren, seit er sie zwischen verschiedenen Holzbrettern einer ehemaligen Schweriner Kaserne vor etwa acht Jahren entdeckt hatte.

Die Ludwigslusterin Helga Lau stieß beim morgendlichen Lesen ihrer Zeitung auf die Geschichte von Fritz Schriewer und staunte nicht schlecht: „Der Großvater meines ersten Mannes hieß Groth und er war Stellmacher, wie der Mann, der sich in den Vorkriegstagen auf dieser Holzbohle verewigt hatte“, sagt die Seniorin.

Reinhold Groth sei aus Pommern nach Balow bei Grabow gekommen, wann genau wisse Helga Lau nicht. „Mir fiel ein, dass ich erst kürzlich ein Kinderfoto meines verstorbenen Mannes gefunden hatte. Darauf stand er mit einem Holzschwert vor der Sargbau- und Möbeltischlerei seines Großvaters“, erzählt die Ludwigslusterin mit einem warmen Blick auf die alte Schwarzweißfotografie in ihren Händen. An den alten Groth kann sich Helga Lau noch gut erinnern: „Er war ein großer schlanker Mann, der gemeinsam mit seiner Frau in ganz einfachen Verhältnissen bei einem örtlichen Bauern untergekommen war.“ Während Reinhold Groth in Pommern seine eigene Möbeltischlerei besaß, habe er hier zuletzt als angestellter Tischler bei der LPG gearbeitet, weiß die 74-Jährige.

Zu den Verwandten ihres ersten Mannes, Achim Trocka, habe sie keinen Kontakt gehalten und so wisse sie nicht, ob Nachfahren – etwa der Geschwister Hugo und Ruth – das Familienunternehmen der Groths aufrechterhalten haben, erklärt Lau.

Mit Fritz Schriewer, dem Finder und derzeitigen Besitzer der alten Holzbohle werde sie sicher einmal Kontakt aufnehmen, um sich auszutauschen. „So viele Jahre habe ich mit dem Namen Groth keine Berührungspunkte mehr gehabt und nun passiert es auf diese Weise – über die Zeitung. Wer hätte das gedacht“, resümiert die Ludwigslusterin mit einem Lächeln auf den Lippen.

Auch Waltraud Sahn weiß etwas über die rätselhafte Holzbohle aus Schwerin zu berichten. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin am Institut für Volkskunde der Universität Rostock wurde durch den Artikel neugierig und recherchierte im digitalen Archiv des Volkskundlers Richard Wossidlo nach dem Namen Groth. „Ich habe herausgefunden, dass 1937 ein Herr Groth aus Plau am See mit Wossidlo korrespondierte, der Tischler war“, schreibt die Ehrenamtlerin in einer E-Mail an die Redaktion. Vielleicht sei dies der gesuchte Stellmacher, mutmaßt Waltraud Sahn.

Rätselhaft bleibt die Geschichte nach wie vor und wir freuen uns über weitere Hinweise auf der Suche nach der Identität des Stellmachers, der sich 1939 auf einer Bohle in Schwerin verewigte.

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