Internationale Banden : Raddiebe in MV kaum zu fassen

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Aufklärungsquote in Schwerin bei 3,7 Prozent

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06. Juni 2017, 05:00 Uhr

Die Radfahrsaison hat begonnen und damit steigt wieder die Zahl der Fahrraddiebstähle. Alle zwei Minuten wird in Deutschland ein Rad gestohlen. In Mecklenburg-Vorpommern verschwanden im vergangenen Jahr 6092 Bikes – und das sind nur die angezeigten Fälle. Der Schaden beträgt laut Landeskriminalamt (LKA) 3,1 Millionen Euro. Etwa ein Drittel der als gestohlen gemeldeten Räder hatte einen Wert von mehr als 500 Euro.

Allerdings klärt die Polizei nur jeden zehnten Fahrraddiebstahl im Landesdurchschnitt auf (9,6 Prozent). Schwerin hatte 2016 mit 3,7 Prozent sogar eine der niedrigsten Aufklärungsquoten der Bundesrepublik. Bei 435 Diebstählen wurden laut LKA nur 24 Tatverdächtige in der Landeshauptstadt überführt. Darunter vier Ausländer.

„Keine Zeugen, keine Spuren – in der Regel gibt es kaum Ermittlungsansätze“, sagte Marcus Öhlert, Sprecher der Schweriner Polizei. Für aufwendige Ermittlungen fehlt fast überall das Personal. Die Anonymität der Stadtviertel wie Mueßer Holz in Schwerin oder Lütten Klein in Rostock würden Fahrraddiebstähle zudem begünstigen. In der Warnowstadt wurden bei 1170 Fällen 83 Tatverdächtige überführt. Jeder zehnte ist Ausländer.

Jagd auf Fahrräder machen immer häufiger auch internationale Banden, vor allem aus Osteuropa. Vor einigen Tagen entdeckte die Hamburger Polizei im Stadtteil Rothenburgsort ein Lager mit 1200 gestohlenen Rädern, die nach Osteuropa abtransportiert werden sollten. Im Schweriner LKA beobachtet man die Entwicklung aufmerksam. „Wir schließen nicht aus, dass diese organisierten Banden auch in Mecklenburg-Vorpommern aktiv sind“, sagte LKA-Sprecherin Anna Hermann. Doch bei den meisten aufgeklärten Fällen seien bisher Einzeltäter festgestellt worden.

Hochburg der Fahrraddiebe ist im Nordosten die Universitätsstadt Greifswald mit 738 angezeigten Fällen im vergangenen Jahr. Das ergibt auf 100  000 Einwohner hochgerechnet eine Häufigkeitszahl von 1300 Diebstählen. Berlin und Hamburg liegen mit jeweils 978 Fällen auf 100  000 Einwohner noch weit hinter Greifswald. Spitzenreiter bundesweit ist Münster in Nordrhein-Westfalen mit einer Häufigkeitszahl von 1721 Fahrraddiebstählen.

Die Polizei rät: Ein stabiles Fahrradschloss gehört zur Grundausstattung eines jeden Fahrradfahrers. Den Rahmen an einen festen Fahrradständer oder an fest verankerte Gegenstände anschließen, damit das Rad nicht samt Schloss weggetragen werden kann.
 

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