Verband macht Druck : Quotenstreit reibt Fischer auf

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Jetzt darf wieder mehr gefangen werden: Erstmals steigen die erlaubten Fangmengen wieder, trotzdem steigen Mitglieder aus dem Landesverband aus. Grund ist die aus Sicht der Fischer verfehlte EU-Fischereipolitik.

svz.de von
15. Juni 2012, 09:46 Uhr

Rostock/Sassnitz | Jetzt darf wieder mehr gefangen werden: Jahrelang ging die Zahl der Dorsche und Heringe in der Ostsee zurück - nun sieht es endlich wieder besser aus. Die Bestände von Dorsch und Hering seien aufgrund der eingeleiteten Schutzmaßnahmen auf einem guten Niveau, resümiert der Fischereibiologe Christopher Zimmermann vom Institut für Ostseefischerei in Rostock. "Der Hering ist nach Jahren deutlicher Rückgänge wieder im grünen Bereich."

Im Jahr 2012 können die ostdeutschen Kutter- und Küstenfischer erstmals seit vier Jahren wieder einen Anstieg der erlaubten Fangmengen verzeichnen. "Die Lage für die Fischerei hat sich stabilisiert", resümiert auch Chef des Landesverbandes von Mecklenburg-Vorpommern, Norbert Kahlfuß. Optimistisch stimmen ihn auch die Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung, der für 2013 eine weitere Steigerung der Heringsfangmengen in der westlichen Ostsee um 23 Prozent vorschlägt. "Wir sehen wieder Licht am Horizont", sagt Kahlfuß. Doch für die aus Sicht der Fischer verfehlte EU-Fischereipolitik der vergangenen Jahre muss nun der Landesverband büßen.

Allein innerhalb des vergangenen Jahres hat der Verband 23 Fischer verloren, erstmals rutschte die Zahl der Mitglieder auf einen historischen Tiefstand von 198. Die Fischer, die nicht aus Altergründen ausschieden, begründen die Abkehr mit der geringen Durchschlagskraft des Verbandes gegenüber der Politik. Angesichts von steigenden Kosten und sinkenden Erlösen konnten und wollten sie sich die Mitgliedsbeiträge nicht mehr leisten. "Ein Austritt aus dem Verband ist langfristig ein Fehler", meint Verbandschef Kahlfuß. "Damit wird unsere Lobby noch schwächer." Heute treffen sich die Verbandsmitglieder zu ihrer Jahrestagung in Negast (Landkreis Vorpommern-Rügen).

Landesweit wird schon jetzt die Hälfte der Erlöse von Fischern erzielt, die außerhalb des Verbandes arbeiten. Nach Angaben des Agrarministeriums erzielte die Kutter- und Küstenfischerei 2011 Erlöse von 10,07 Millionen Euro - knapp 200 000 Euro weniger als 2010. Die Mitglieder des Landesverbandes trugen zu diesem Ergebnis rund 5,4 Millionen Euro bei - rund 600 000 Euro weniger als im Jahr 2010. "Es war ein durchwachsenes Jahr", resümiert Kahlfuß.

Vor allem die steigenden Kosten machen den Fischern zu schaffen, wie der Verbandschef sagt. Nicht nur die Dieselpreise und Materialkosten schossen in die Höhe. "Die EU verlangt von uns Kontrollgeräte und elektronische Logbücher, die viele Fischer nicht finanzieren können." Der Beruf wird für junge Leute zunehmend unattraktiv. "Uns fehlt die Planbarkeit." Knapp 300 Fischer arbeiten in Mecklenburg-Vorpommern noch im Haupterwerb, dazu kommen 132 Nebenerwerbsfischer. Vor 20 Jahren gingen noch knapp 1000 Fischer vor den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns auf Hering- und Dorschfang.

Die Fischer bangen, dass ihnen wichtige Fanggebiete wie die Oderbank und der Adlergrund für die Fischerei gesperrt werden. Das Bundesamt für Naturschutz und Umweltverbände plädieren dafür, dass in den Meeresschutzgebieten vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns die Fischerei beschränkt wird, um Schweinswale und Seevögel zu schützen.

Sollte es dazu kommen, würde das ein Aus der Kutter- und Küstenfischerei in Mecklenburg-Vorpommern bedeuten, ist Kahlfuß überzeugt. Fangmengenanhebungen nützten nichts, wenn den Fischern die Fanggründe genommen würden.

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