zur Navigation springen

Gesine Lötzsch tritt zurück : Quo vadis Linkspartei?

vom

svz.de von
erstellt am 11.Apr.2012 | 08:18 Uhr

Kommt jetzt Oskar Lafontaine zurück? Oder ist der Weg frei für ein neues Spitzenduo Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch? Nach dem überraschenden Rücktritt von Parteichefin Gesine Lötzsch wegen einer schweren Erkrankung ihres Mannes dreht sich bei der Linkspartei wieder das Personalkarussell. Klaus Ernst, alleiniger Noch-Parteichef, warnt: „Wir müssen jetzt alle Kraft in den Wahlkampf stecken und nicht in unsinnige Führungsdebatten.“ Er selbst will sich noch immer nicht festlegen, ob er im Juni noch einmal zur Wiederwahl antritt.

Der Rücktritt kommt für die Partei zur Unzeit. Schon wird der Ruf nach einem Comeback Lafontaines wieder laut, und auch andere Kandidaten werden in Position gebracht. Droht der Linkspartei wenige Wochen vor den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen eine heftige Personaldebatte? Die Entscheidung über die künftige Führung soll erst im Juni auf dem Bundesparteitag in Göttingen fallen. Bis dahin wird der bisherige Co-Chef Ernst die Partei allein führen. Doch die Positionskämpfe haben bereits begonnen. Nach der NRW-Wahl dürften bereits die Weichen für das neue Spitzenteam gestellt werden.

„Wir müssen nun noch dringender klären, wer die Linke führen soll“, meint dagegen der Landeschef der Partei in MV, Steffen Bockhahn. Er halte es für falsch, damit bis nach den Wahlen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein zu warten. Bislang habe nur Dietmar Bartsch seine Bereitschaft zur Kandidatur erklärt, was er sehr begrüße, so Bockhahn. Über weitere Namen könne aber erst diskutiert werden, wenn sich auch weitere Parteimitglieder bereit erklärten, zu kandidieren, sagt der Bundestagsabgeordnete aus MV. Er plädiert für eine gute „gesamtdeutsche Lösung“ an der Parteispitze. Das müsse aber nicht zwingend bedeuten, dass Ost und West bei den Vorsitzenden vertreten sind. Zur Spitze gehörten auch die Stellvertreter und die Geschäftsführung. Wichtiger sei beim Führungsduo die Frage, wer gut miteinander könne.

Die Entscheidung sei ihr nicht leicht gefallen, lange habe sie überlegt, sagt Gesine Lötzsch. Doch ihre familiäre Situation, die Erkrankung ihres Mannes lasse keine häufige Abwesenheit vom Wohnort Berlin zu, begründet sie ihren Rücktritt als Vorsitzende der Linkspartei gestern vor den Kameras noch einmal persönlich. Wenige letzte Sätze, eine knappe Erklärung, Nachfragen werden nicht zugelassen, Abgang. Ihr Bundestagsmandat will sie behalten. Am späten Dienstagabend bereits hatte die Parteizentrale per E-Mail überraschend eine Rücktrittserklärung verbreitet. Ursprünglich hatte Lötzsch geplant, im Juni noch einmal zur Wiederwahl zu kandidieren. Ihr 80-jähriger Mann sei altersbedingt erkrankt. Vor wenigen Tagen habe sie ihn in die Notaufnahme eines Krankenhauses gebracht – ein Schlüsselerlebnis für ihren Entschluss, zurückzutreten. Respekt und Anerkennung für die private Entscheidung.

Lötzsch und Ernst waren zuletzt in der Partei umstritten, wurden für das schlechte Erscheinungsbild und die schlechten Wahlergebnisse verantwortlich gemacht. Ein Hauch von Schadenfreude bei der SPD: „Nichts ist so schwach wie eine Idee, über die die Zeit hinweggegangen ist. Weder Lafontaine noch Wagenknecht werden den Niedergang der Linkspartei aufhalten“, so der Parlamentarische SPD-Geschäftsführer Thomas Oppermann.

Kommt Lafontaine zurück, der sich 2009 von der bundespolitischen Bühne ins Saarland zurückgezogen hatte? Und wenn ja, in welche Position? Als Parteichef im Duett mit einer ostdeutschen Frau? Die Satzung schreibt vor, dass der Parteispitze mindestens eine Frau angehören muss. Oder als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl im Gespann mit Fraktionschef Gregor Gysi? Dann könnte der Weg frei sein für Lafontaines Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht und den Lafontaine-Rivalen Dietmar Bartsch an die Parteispitze. Lafontaine hielt sich auch gestern bedeckt, was seine Zukunftspläne angeht.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen