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Qualität gefährdet: In Kitas in MV fehlen 400 Erzieherinnen

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erstellt am 03.Jul.2013 | 08:09 Uhr

Schwerin | Vor einem Fachkräftemangel in den Kindertagesstätten des Landes in "dramatischen Ausmaßen" warnt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): "Nach unseren Erkenntnissen fehlen bis 2015 jährlich rund 400 Erzieherinnen und Erzieher in den Einrichtungen", so der Kita-Referent der GEW in Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Taprogge, der sich dabei unter anderem auf Zahlen des Deutschen Jugendinstituts München (DJI) stützt. Seine Befürchtung: Der neue Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für die unter Dreijährigen wird in der ohnehin schon angespannten Fachkräftesituation dazu führen, dass die Qualität der Betreuung nicht mehr gesichert werden kann.

Auch der Landesjugendhilfeausschuss konstatiert, "dass es bereits jetzt einen zunehmenden Bedarf an Fachkräften für Kindertageseinrichtungen gibt" und dass dieser Bedarf mit der Umsetzung dringend notweniger fachlicher Verbesserungen weiter steigen wird. So ist im neuen Kindertagesförderungsgesetz (Kifög) das Fachkraft-Kind-Verhältnis im Kindergarten von 1:18 auf 1:17 abgesenkt worden.

Der kinder-, jugend- und familienpolitischen Sprecherin der Linksfraktion im Landtag, Jacqueline Bernhardt, zufolge, käme erschwerend hinzu, "dass in den nächsten Jahren sehr viele Erzieherinnen und Erzieher altersbedingt ausscheiden werden und nur sehr wenige junge Fachkräfte nachrücken". Nach Auffassung des GEW-Referenten kann die Ausbildung an den Fachschulen des Landes diese Lücke nicht schließen. Von den derzeit 350 ausgebildeten Schülerinnen und Schülern gingen dem DJI zufolge nur etwa 65 Prozent überhaupt in die frühkindliche Bildung, so Tap rogge. Schuld darin sind aus Sicht der GEW unattraktive Arbeitsbedingungen wie Bezahlung unter Tarif und Teilzeitarbeitsverhältnisse. Abwerbeversuche finanzstarker westdeutscher Kommunen wie München, Stuttgart und Düsseldorf, die attraktive Angebote zum Arbeiten und Leben unterbreiten, würden daher hier auf fruchtbaren Boden fallen.

In der Landesregierung ist für das Problem offenbar niemand zuständig. Im Sozialministerium erklärt Sprecherin Silke-Maria Preßentin, ihr Haus sei zwar für die Qualitätskriterien in Kitas verantwortlich, die Erzieherbedarfsplanung hingegen verantworte das Bildungsministerium. Dass der neue Rechtsanspruch jetzt zu einer Verschärfung der Personalsituation führe, sei schlicht falsch. "Der Rechtsanspruch wird bei uns schon seit Jahren erfüllt." Im Bildungsministerium spielt Sprecher Henning Lipski den Ball zurück. Zeichen dafür, dass es an Kita-Erziehern mangele und dass es möglicherweise besonderer Anreize bedarf, sie im Land zu halten, müsse das Sozialministerium erkennen. Allerdings bestätigt er, dass aktuell im Bildungsministerium die Erzieherbedarfsplanung aktualisiert wird. "Nach der Sommerpause werden die Daten dem Parlament zugeleitet", erklärt Lipski.

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