Fehlzeitenreport der AOK : Psyche krank – länger arbeitsunfähig

Bei Depressionen kann der Austausch helfen.
Bei Depressionen kann der Austausch helfen.

Fehlzeiten wegen seelischer Erkrankungen nehmen weiter zu

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15. September 2017, 05:00 Uhr

Burnout, Depressionen und andere psychische Erkrankungen werden in Mecklenburg-Vorpommern nicht nur immer häufiger diagnostiziert. Sie führen auch zu immer längeren Krankschreibungen. Mittlerweile entfällt mehr als jeder zehnte Arbeitsunfähigkeitstag auf eine entsprechende Diagnose. Das geht aus dem aktuellen Fehlzeitenreport der AOK Nordost hervor, den die Kasse gestern vorstellte.

Danach machten im ersten Halbjahr 2017 psychische Erkrankungen in MV 6,1 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitsfälle aus. Im ersten Halbjahr 2016 lag dieser Anteil noch bei 5,9 Prozent, so AOK-Nordost-Sprecher Markus Juhls. Zwar seien andere Krankheitsarten anteilmäßig häufiger aufgetreten – Atemwegserkrankungen machten 22,3 Prozent, Muskel/Skeletterkrankungen 15,3 Prozent und Erkrankungen der Verdauungsorgane 10,3 Prozent der Arbeitsunfähigkeitsfälle aus. Besorgniserregend ist aber Juhls zufolge die immer längere Dauer der Krankschreibungen wegen psychischer Leiden. Bei den bei der AOK Nordost versicherten Arbeitnehmern entfallen inzwischen schon 11,1 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage auf entsprechende Diagnosen.

Zu den Stresssituationen, die Auslöser seelischer Erkrankungen sein können, gehören laut dem ebenfalls gestern vorgestellten Fehlzeiten-Report 2017 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK neben Konflikten am Arbeitsplatz – z.B. wegen mangelnder Kommunikation, hohen Arbeitsdrucks und -tempos sowie der Forderung nach ständiger Erreichbarkeit – auch persönliche Krisen. Bereits jeder zweite Befragte (52 Prozent) hat solche Krisen erlebt, die großen Einfluss auf Leben und Arbeit haben. Ausgelöst wurden sie beispielsweise durch Erkrankungen in der Familie, Trennung, Tod des Ehepartners oder finanzielle Probleme. Jeder Dritte fühlt e sich aufgrund des kritischen Lebensereignisses unzufrieden mit der Arbeit (37 Prozent), berichtete häufiger über körperliche und psychische Beschwerden oder hat sich krank gemeldet (34 Prozent).

Auch bundesweit ist die Zahl der Arbeitsausfälle wegen psychischer Probleme in den vergangenen zehn Jahren um 79,3 Prozent und damit überproportional stark gestiegen, wie aus dem Wido-Fehlzeiten-Report hervorgeht. Die dadurch verursachten Ausfallzeiten am Arbeitsplatz liegen mit 25,7 Tagen je Fall doppelt so hoch wie der Durchschnitt bei allen anderen Krankheitsbildern (11,7 Tage).
 

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