Völkischen Siedler : Pseudo-Engagement im Schlabberlook

Springerstiefel und Glatzen sind längst out – Völkische Siedler als unterschätztes Phänomen

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21. November 2014, 07:12 Uhr

Mit alternativen Lebenskonzepten, Kleidung im Schlabberlook und Öko-Gehabe fallen völkische Siedler kaum auf. Einmal angekommen, etablieren sie sich als achtsame Ökobauern, geschickte Handwerker und hilfsbereite Neuzugänge der Dorfgemeinschaft. In ihrer Umgebung treffen sie häufig auf viel Zustimmung mit ihren ökologischen Konzepten. Naturschutz erweist sich als Brückenbauer, weil es Menschen quer durch die Gesellschaft beschäftigt.

Wie gut sich die Siedler in das Engagement von Umweltschützern eingliedern können, zeigte das Beispiel von Holger Fromm*, eines der ersten völkischen Siedler im Nordosten. Er war Gründungsmitglied der Initiative „Gentechnikfreie Region Nebel/Krakow“ (Landkreis Rostock), bis seine Weltanschauung bekannt wurde und er ausgeschlossen wurde. Der Biobauer und Agraringenieur ist NPD-Mitglied und wurde von deren Landtagsfraktion als Experte zu einer öffentlichen Anhörung zur „grünen Gentechnik“ benannt. Auch Fraktionschef Udo Pastörs, obgleich nicht zur Schlabberlook-Gruppe gehörig, schaffte es, sich an seinem Wohnort Lübtheen (Westmecklenburg) zwei Jahre lang als Mitglied der Bürgerinitiative „Braunkohle Nein!“ zu halten. Um ihn herum haben sich ebenfalls mehrere rechtsextreme Kader völkisch angesiedelt.

Wenn die völkischen Siedler an Volksfesten, Märkten oder Mittelalterfestivals teilnehmen, gelten sie als kulturell engagiert und traditionsbewusst. Sie bezwecken mit der Pflege von Brauchtum aber im Kern die Stärkung einer germanisch-nordischen Kultur, mit der sie sich gegen kulturelle Vielfalt und gegen demokratisches Zusammenleben abschotten wollen.

Häufig stammen die Siedler aus Sippen, die das extrem rechte Gedankengut schon seit Generationen weitergeben. Auch wenn sie auf den ersten Anschein harmlos erscheinen, vertreten sie ihre Ideologie nicht nur in Diskussionen unerbittlich, sondern im Ernstfall auch mit militärischen Mitteln: Überlebenstrainings und Wehrsportübungen, bei denen schon Kinder und Jugendliche gedrillt werden, sollen die Verteidigung der „Volksgemeinschaft“ gewährleisten. Vielfalt, Gleichberechtigung und Weltoffenheit haben darin keinen Platz.

Nur vereinzelt sind Nachbarschaft und Kommunen im Bilde, wer in so manchem Dorf nach und nach Häuser, Grundstücke und Felder aufkauft. Schleichende Normalisierung erreichen die Siedler durch Mitwirken in Vereinen und sogar Erziehungseinrichtungen und Kirchenstrukturen.

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