Verabredete Schlägereien unter Strafe : Prügelei zur dritten Halbzeit

Wenn sich Hooligans oder andere Gruppen zu Schlägereien verabreden und sich mit gegenseitiger Einwilligung verprügeln, müssen sie trotzdem mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

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26. März 2013, 11:37 Uhr

Karlsruhe | Wenn sich Hooligans oder andere Gruppen zu Schlägereien verabreden und sich mit gegenseitiger Einwilligung verprügeln, müssen sie trotzdem mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Diese Entscheidung gab der Bundesgerichtshof (BGH) gestern in Karlsruhe bekannt (1 StR 585/12). Sie schafft Klarheit in der strafrechtlichen Bewertung von handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Hooligan-Gruppen - häufig als "Dritte Halbzeit" bezeichnet. Das Argument, solche Schlägereien seien vergleichbar mit sportlichen Wettkämpfen, bei denen alle Beteiligten wüssten, was sie erwartet, ließen die Richter nicht gelten. Prügeleien könnten jederzeit eskalieren. Bei körperbetonten Sportarten wie Boxen gebe es dagegen ein festes Regelwerk, "dessen Einhaltung regelmäßig durch eine neutrale Instanz kontrolliert wird". Strafbar mache sich ein Sportler erst, wenn er seinen Gegner grob regelwidrig verletze.

Die obersten Richter wiesen damit die Revision von drei jungen Erwachsenen aus Stuttgart zurück, die mit einer verfeindeten Jugendgang ausgehandelt hatten, ihren Streit mit Fäusten und Fußtritten auszutragen. Dabei sei ausdrücklich auch die Möglichkeit von erheblichen Verletzungen einkalkuliert worden. Diese traten dann auch ein: So lag einer der Kämpfer einen Tag lang auf der Intensivstation. Das Landgericht hatte die Täter zu unterschiedlichen Jugendstrafen verurteilt.

Die Verteidiger beriefen sich bei der Revision auf den Paragrafen 228 des Strafgesetzbuches. Darin heißt es: "Wer eine Körperverletzung mit Einwilligung der verletzten Person vornimmt, handelt nur dann rechtswidrig, wenn die Tat trotz der Einwilligung gegen die guten Sitten verstößt." Die Anwälte sahen die guten Sitten gewahrt. Dem widersprach der BGH. Die "gruppendynamischen Prozesse" bei solchen Schlägereien seien "generell mit einem so erheblichen Grad an Gefährdung des Lebens und der körperlichen Unversehrtheit der Kontrahenten verbunden", dass eine Grenze überschritten werde.

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