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Landwirtschaft MV : Prüfer: Mängel an Biogasanlagen

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Lecks im Güllebehälter, Fehler bei der Entwässerung: 23 von 300 Biogasanlagen in MV mit großen Schwachstellen. Mehr Unfälle

svz.de von
erstellt am 20.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Lecks im Güllebehälter, Mängel im Fahrsilo, Fehler bei der Entwässerung: Bei der Kontrolle von etwa 300 größeren Biogasanlagen in MV haben Prüfer in den vergangenen zwei Jahren zum Teil erhebliche Mängel festgestellt. Bei 385 Überprüfungen der Energieanlagen seien in jedem vierten Fall Schwachstellen entdeckt worden, legte das Umweltministerium in Schwerin in einem jetzt vorgelegten Prüfbericht offen. In 71 Fällen seien die Mängel als gering eingestuft worden. Bei 23 Überprüfungen mussten die Prüfer den Betreibern aber erhebliche Mängel attestieren. In den Jahren zuvor war bei Überprüfungen früheren Angaben der Landesregierung zufolge noch jede dritte Biogasanlage in MV durchgefallen. Noch schlechter sah es beispielsweise in Baden-Württemberg aus: Dort wies in den Vorjahren bei Kontrollen fast jede zweite Energieanlage bauliche oder betriebliche Mängel auf.

Eine Gefahr für die Umwelt lässt sich den Anlagenbetreibern zufolge trotz der vielen Mängel nicht erkennen: Jeder Mangel ist einer zuviel, meinte Alexander Knebel, Sprecher des Fachverbandes Biogas. Von den Anlagen würden keine Sicherheitsgefahren ausgehen. Die Branche habe reagiert und biete Sicherheitsschulungen an.

Die Umwelt bekommt die Auswirkungen dennoch zu spüren: Explodierende Gärtanks, auslaufende Gülle, giftige Silagesickersäfte – in der Vergangenheit war es immer wieder zu Havarien gekommen. Erst im vergangenen Jahr implodierte in Langen Brütz nahe Schwerin ein Güllebehälter. 2015 hatte ein Brand in einer Anlage in Kloddram bei Vellahn im Landkreis Ludwigslust-Parchim Schäden angerichtet. In Stolpe war ein Trockenlager einer Biogasanlage in Brand geraten. Jahre zuvor traten nach einem Leck in einer Biogasanlage in Bülow in Nordwestmecklenburg 300.000 Liter vergorene Schweinegülle aus. Der Bund für Umwelt und Natur (BUND) hat zudem in Deutschland eine steigende Zahl von Unfällen bei Gülle-Transporten ausgemacht.

Von Konsequenzen blieb die Branche weitgehend verschont: Trotz erheblicher Mängel sei keine Anlage stillgelegt worden, teilte das Umweltministerium mit. Auch ein Fall im Landkreis Ludwigslust-Parchim wirft Fragen auf: 2016 sah die Umweltbehörde in einem Fall nahe Ludwigslust zwischen dem Betrieb einer Biogasanlage und dem folgenden Absterben mehrerer hunderte Jahre alter Eichen in unmittelbarer Nachbarschaft keinen Zusammenhang und lehnte weitergehende Untersuchungen ab.

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