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Schweriner Landgericht : Prozess um Sexualdelikt

vom

Axel S. soll sich an einer Nachbarin vergangen haben. Dafür drohen ihm bei einem Schuldspruch viele Jahre Haft. Inzwischen habe ein Gerichtsmediziner von Verletzungen des Opfers berichtet.

svz.de von
erstellt am 26.Jul.2013 | 10:17 Uhr

Schwerin | Im "Aufreger-Prozess" um einen mutmaßlichen Vergewaltiger ging es gestern im Schweriner Landgericht heiß zu. Was aber vor allem an den hochsommerlichen Temperaturen gelegen haben dürfte. Alle beteiligten Juristen ließen mit Genehmigung des Vorsitzenden Richters ihre wärmestauenden Roben in der Tasche - und widmeten sich mit professioneller Kühle den Tatvorwürfen. Da liegt anscheinend der Teufel im Detail. Doch der Reihe nach.

Axel S. soll sich im Januar in einem Dorf bei Schwerin an einer Nachbarin vergangen haben. Ihm werden sexuelle Nötigung, Körperverletzung und versuchte Vergewaltigung im besonders schweren Fall zur Last gelegt. Dafür drohen bei einem Schuldspruch viele Jahre Haft. Doch nicht wegen der Tat selbst schlugen schon Wochen vor Prozessbeginn am 11. Juli die Wogen hoch. Im Juni war der 50-Jährige für wenige Tage auf freiem Fuß. Das war es, was in erster Linie für Unmut gesorgt hatte. Das Oberlandesgericht hatte S. umgehend wieder festsetzen lassen. Der Prozess selbst begann mit einem Befangenheitsantrag von Opfer-Anwältin Christine Habetha, den das Gericht aber als unbegründet zurückwies.

Die Öffentlichkeit ist mit Rücksicht auf die Privatsphäre des Opfers aber auch des Täters für weite Teile des Prozesses ausgeschlossen. Gestern war sie kurzzeitig zugelassen, als ein Fachmann vom Landeskriminalamt in den Zeugenstand trat. Dabei ging es um jene "Details", die am Ende im Strafmaß einen Unterschied von mehreren Jahren ausmachen können. Der Angeklagte hat bereits eingeräumt, sich an der Nachbarin vergangen zu haben. Doch ihr dabei ein Messer an den Hals gehalten zu haben, stritt er ab. Das aber sagt die Frau - Opfer, wichtigste Zeugin und Nebenklägerin. Vorgestern musste sie rund fünf Stunden lang im Gerichtssaal die Befragung über sich ergehen lassen. "Sie hatte in der Tatnacht Angst um ihr Leben", sagt Rechtsanwältin Habetha. Dies sei deutlich geworden. Inzwischen habe auch ein Gerichtsmediziner von Verletzungen ihrer Mandantin berichtet. Einige davon hätten von einem Messer herrühren können.

Die Ermittler hatten tatsächlich ein 22 Zentimeter langes Klappmesser in der Wohnung von Axel S. gefunden. Mit DNA-Spuren von S. und von der Frau. "Die Spuren haben wir selbst gesichert", bestätigte der LKA-Beamte gestern. Also alles klar. Oder doch nicht? Die Richter bohren nach und bieten Denkmodelle an. Könnte die DNA des Opfers nicht auch nach der Tat auf das Messer gelangt sein? Beispielsweise weil S. die Frau ja intensiv "berührt" und so ihre Spuren quasi mit nach Hause getragen hat? Wenn er dort dann etwa ohne sich die Hände zu waschen das Messer angefasst hätte? Könnte die DNA auch auf diese Weise auf die Waffe gelangt sein? "Ich kann es nicht ausschließen", sagt der Spezialist und schafft damit plötzlich Spielraum für Interpretationen. Es gebe einfach zu viele Unbekannte. "Je mehr Dinge er zwischendurch anfasste, Türklinken zum Beispiel, desto unwahrscheinlicher ist das aber", fügt er hinzu. Auch scheint die Frage, ob es sich um eine vollendete oder versuchte Vergewaltigung handelt, für das Gericht noch nicht geklärt. Sperma-Spuren sind dem LKA-Fachmann zufolge 72 Stunden lang nachweisbar. Die seien nicht gefunden worden. Allerdings andere Spuren, die man auch mit einer vollzogenen Vergewaltigung erklären könnte. Angeklagt ist im Fall Axel S. "nur" der Versuch. Das Gericht gab gestern jedoch zu verstehen, dass es auch eine Verurteilung wegen "vollendeter" Vergewaltigung in Betracht zieht. Verteidiger Matthias Macht hat gestern noch einen Beweisantrag gestellt. Eine Zeugin soll zur Glaubwürdigkeit des Opfers befragt werden. Der Prozess könnte Ende August zu Ende gehen.

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