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Aus dem Gerichtssaal : Prozess um Ex-Radio-Star vor Abschluss

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vorwurf Gewinnspielbetrug: Urteil soll am 29. April fallen

von
erstellt am 20.Apr.2016 | 21:00 Uhr

In acht Tagen wird es noch einmal spannend im Prozess gegen Markus J., den einstigen Vorzeige-Moderator des privaten Radiosenders Ostseewelle. Am letzten Freitag im April soll am Landgericht Rostock das Urteil über den wegen Gewinnspielbetrug und Bankrottbetrug angeklagten Journalisten fallen. Zwar hat er gestanden, einerseits seine Radio-Hörer und andererseits seine Gläubiger übers Ohr gehauen zu haben. Das mag zu einer milderen Strafe führen. Bei früheren Vertrauten ist er dennoch „unten durch“.

So berichtete vor kurzem seine langjährige Freundin Anna S., wie Markus J. sie als Strohfrau für seine krummen Touren benutze. Inzwischen berichtet die Reporterin für einen Fernsehsender meist gut gelaunt über Modetrends, Kuriositäten und die High Society in Hollywood. Privat sitzt sie immer noch auf einem Berg Schulden, der anfangs über 300 000 Euro „hoch“ war. Sie hatte vor zwölf Jahren – damals jung, frisch verliebt und offenbar geblendet vom großspurigen Auftreten des Morning-Show-Manns Markus J. – für ihn eine Firma gegründet. Markus J. war bereits damals hoch verschuldet. Sie stellte ihn für knapp 1000 Euro an und „verkaufte“ seine Moderatoren-Arbeit für sehr viel mehr Geld an die Ostseewelle.

Weil Markus offiziell so wenig Geld verdiente, konnten seine Gläubiger sein Gehalt nicht pfänden lassen. In Wirklichkeit aber verfügte er über die Einnahmen der Scheinfirma. Zusätzlich machte er immer neue Schulden im Namen der Firma. Als sich das Paar 2009 dennoch trennte, war es für die junge Frau zu spät. Nun standen die Gläubiger bei ihr Schlange. Einen Teil der Schulden, so berichtete sie, hätten ihre Eltern zurückbezahlt. Außerdem sei ihr Gehalt bei ihrem neuen Arbeitgeber gepfändet worden. Als Anne S. als Strohfrau nicht mehr zur Verfügung stand, zog Markus J. die selbe Masche übrigens mit seiner nächsten Freundin durch – einer 20 Jahre alten Kosmetikerin.

Markus J. lebte seit Jahren trotz hoher Schulden, die wohl aus einer Spielsucht resultierten, auf großem Fuß. In einem Dorf bei Sanitz bewohnte er eine Villa, fuhr extravagante Autos. Vor Gericht hat er auch zugegeben, Gewinnspiele der Ostseewelle manipuliert zu haben. Die „Gewinner“ wurden vorab informiert, wussten die Lösung der Anruf-Spiele und durften einen kleinen Teil des Gewinns behalten. Den Rest ließ Markus J. von seinem mitangeklagten Komplizen André B. abholen.

Markus J. saß bereits im Gefängnis. Ende 2012 wurde er wegen Kindesmissbrauchs zu zu drei Jahre und zwei Monate Haft verurteilt. Er hatte zwischen 2005 und 2008 ein anfangs zwölf Jahre altes Mädchen wiederholt sexuell missbraucht. Er lernte das Mädchen kennen, nachdem sie bei der Ostseewelle einen Besuch im Studio gewonnen hatte.

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