Panne : Prozess gegen Hansa-Fan abgebrochen

Wird seit gestern der Prozess gemacht: einem 32-jährigen Schiffsoffizier
Wird der Prozess gemacht: einem 32-jährigen Schiffsoffizier

Verteidiger war zu spät geladen worden / Gericht zweifelt am Vorwurf des versuchten Totschlags

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05. Juni 2015, 06:00 Uhr

Zuversichtlich in die voll besetzten Zuschauerreihen lächelnd ist gestern ein Hansa-Rostock-Anhänger in den Saal 37 des Rostocker Landgerichts geführt worden. Obwohl der gut gekleidete, schlanke Angeklagte eher harmlos wirkte, behinderten gestern Fußfesseln seinen Gang. Der 32 Jahre alte Nautische Offizier muss sich wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung verantworten. Während der brutalen Ausschreitungen beim Spiel Hansa Rostock gegen Dynamo Dresden Ende November 2014 soll er mehrmals Steine geworfen haben. Ein zwei Kilogramm schweres Geschoss traf nach Ansicht der Staatsanwaltschaft einen Polizisten und verletzte ihn schwer. Der mutmaßliche Hooligan wurde am 16. Dezember festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Die Ankläger glauben, dem Fußballfan aus wohlsituiertem Elternhaus weitere Steinwürfe und den Einsatz von Reizgas am Rande des Spiels Hansa gegen RB Leipzig im Frühjahr 2014 nachweisen zu können.

Kurz nach dem Beginn war der Prozesstag jedoch wieder zu Ende. Einer der beiden Verteidiger bemängelte, er habe die Ladung nicht in der gesetzlich vorgeschriebenen Frist bekommen. Der Vorsitzende Richter Peter Goebels ordnete den Neustart für den 18. Juni an. Die Verteidiger nutzten die Chance, vor der Verlesung der Anklageschrift ihre Sicht der Dinge zu verkünden. Mit dem harten Vorwurf des versuchten Totschlags wolle die Staatsanwaltschaft offenbar ein Exempel im Kampf gegen gewaltbereite Fans statuieren, mutmaßte Rechtsanwalt Stefan König. Außerdem sei die Verletzung des Polizisten, an dessen Schutzweste der Stein abgeprallt sei, keineswegs als schwer anzusehen. Zudem zähle ihr Mandant nicht zum harten Kern der polizeibekannten Hooligans.

Auch das Gericht hatte im Vorfeld des Prozesses durchblicken lassen, dass von versuchtem Totschlag kaum die Rede sein könne. Das hatte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) erbost. Es sei „fatal“, wenn „gefährlichen Rowdys keine Grenzen mehr gesetzt würden“. Nach dem Neustart des Prozesses wollen die Verteidiger indes einen anderen Richter beantragen. Richter Goebels sei befangen, er habe Post an den inhaftierten Angeklagten illegal kontrollieren lassen.  

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