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Neubrandenburg : Prozess gegen Ex-KZ-Sanitäter vertagt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ihm wird Beihilfe zum Mord in mehr als 3600 Fällen im Konzentrationslager Auschwitz vorgeworfen

Der Neubrandenburger Prozess gegen einen ehemaligen SS-Sanitäter aus dem Konzentrationslager Auschwitz verzögert sich weiter. Ursache sind zwei medizinische Gutachten, die die Schwurgerichtskammer inzwischen in Auftrag geben musste, wie ein Sprecher des Landgerichtes gestern in Neubrandenburg erklärte.

Dies werde mehrere Wochen dauern, so dass – abhängig vom Ergebnis – vermutlich nicht vor März neu verhandelt werden kann. So müsse die Gesundheit des 96 Jahre alten Beschuldigten wieder genau untersucht werden, um festzustellen, ob er verhandlungsfähig sei. An der Gesundheit des früheren KZ-Sanitäters waren im Vorjahr mehrere Verhandlungstage und Prozessversuche gescheitert. Zudem soll es erneut ein psychiatrisches Gutachten geben. Eine solche Untersuchung des Rentners hatte das Oberlandesgericht 2015 anfertigen lassen und danach angeordnet, dass der Prozess – den das Landgericht erst nicht eröffnen wollte – doch stattfinden solle. „Damals war festgelegt worden, dass dieses altersbedingte psychiatrische Gutachten wiederholt werden muss“, sagte der Sprecher.

Dem ehemaligen Landarbeiter aus der Nähe von Neubrandenburg wird Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen vorgeworfen. Er war laut Anklage 1944 einen Monat als KZ-Sanitäter in Auschwitz tätig. In der Zeit sollen 3681 deportierte Häftlinge dort in Gaskammern getötet worden sein. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, sich in die Lagerorganisation eingefügt und so die Vernichtung von Leben befördert zu haben. Die Verteidigung bestreitet eine Schuld ihres Mandanten. Er war für seine SS-Tätigkeit nach Kriegsende in Polen von einem Gericht zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden, die er auch verbüßte.

Der Prozess in Neubrandenburg hatte 2016 zweimal begonnen. Beim ersten Mal verhinderte die angeschlagene Gesundheit des Mannes ein Verfahren, beim zweiten Mal im Herbst sorgte eine Flut von Befangenheitsanträgen von Staatsanwaltschaft und Nebenklägern gegen mehrere Richter für einen Abbruch.

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