Busbrände: Verhandlung vor Schweriner Landgericht : Prozess ganz im Zeichen der Verteidigung

Die Serie von Busbränden in der Region um Plau am See und Parchim, schien schon so gut wie aufgeklärt. Zwei Tatverdächtige sitzen hinter Gittern. Doch bis heute bestreiten sie jegliche Verbindung mit dem Feuerteufel.

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22. März 2013, 08:04 Uhr

Schwerin | Die unheimliche Serie von Busbränden, die bis Januar 2012 die Region um Plau am See und Parchim beunruhigte, schien schon so gut wie aufgeklärt. Zwei Tatverdächtige sitzen seit Februar vorigen Jahres hinter Gittern und seit September auf der Anklagebank vor dem Schweriner Landgericht. Doch bis heute bestreiten sie jegliche Verbindung mit dem Feuerteufel. Ein Indizienprozess, gestern war der 27. Verhandlungstag. Und der stand ganz im Zeichen der Verteidigung. Gleich zu Beginn legte Rechtsanwalt Benjamin Richert dem Gericht sechs neue Beweisanträge vor. "Die Motivlage ist noch völlig unklar", erklärte er. Mit Peter-Michael Diestel, Rechtsanwalt und letzter DDR-Innenminister, vertritt er den Hauptangeklagten. Der ist Mitinhaber des Busunternehmens, das selbst mehrfach Ziel des Feuerteufels wurde. Insgesamt gingen mehr als 20 Busse in Flammen auf. Den Schaden beziffert die Staatsanwaltschaft mit drei Millionen Euro. Die wiederum davon ausgeht, dass Michael M. Geld von der Versicherung kassieren wollte. Der Sohn des Firmengründers steht gemeinsam mit einem ehemaligen Mitarbeiter vor Gericht, der das Feuer beim fünften und letzten Brand gelegt haben soll. Dabei hatte es ein Konkurrenzunternehmen in Parchim getroffen.

Wenn es kein Geständnis gibt und keine Tatzeugen, ist das Gericht auf Zeugen vom Hörensagen angewiesen oder auf solche, die irgendetwas zum Umfeld der Angeklagten sagen können. Diese gab es reichlich im Prozess, illustre darunter, die mitunter selbst im Verdacht der Brandstiftung stehen. Über diesen Verdacht waren die Zeugen erhaben, die gestern auf Antrag der Verteidigung im Gericht erschienen. Die Geschäftsführerin einer Transportfirma in Brandenburg konnte sich nicht mehr erinnern, ob sich der jüngere Angeklagte just am Tag des letzten Brandes um eine Stelle bei ihr bewerben wollte. Aber die Frau konnte sich auch nicht erinnern, wie alt sie ist und wann sie Geburtstag hat. "Mit Zahlen habe ich es nicht so", sagte sie zur Entschuldigung. Ein anderer Zeuge ist ein alter Bekannter von M. und außerdem sein Versicherungsmakler. Er habe M. Tipps gegeben, wie er die Versicherung zur Schadensregulierung bewegen konnte. Die wollte offenbar abwarten, bis klar ist, wer als Täter in Frage kommt. "Ist es üblich, dass Sie Kunden raten, gegen die Gesellschaft vorzugehen, für die Sie arbeiten?", fragt eine Richterin verwundert. "Notfalls ja", antwortet der Zeuge. Der auch einräumt, kürzlich von M.s Frau über Prozess-Details informiert worden zu sein. Verteidigung, Staatsanwalt und Gericht werden am Ende jede Aussage interpretieren. Allem Anschein nach mit unterschiedlichem Ergebnis. Der Anklagevertreter ist nach wie vor von der Schuld der Männer überzeugt, die Verteidigung ganz offensichtlich nicht. Und das Gericht? Das legte weitere Termine fest - bis Mitte Mai.

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