zur Navigation springen

Rehbockgehörn ist deutscher Rekordhalter : Protzige Zacken aus MV machen Geschichte

vom

Karl Langenberger und Peter Novotny pflegen ein seltenes Hobby. Sie taxieren Trophäen, Jagdtrophäen. Beide sind seit Jahren Mitglied der Bewertungskommission des Landesjagdverbandes. Ihre Zuständigkeit: Rehbockgehörne.

svz.de von
erstellt am 05.Apr.2012 | 11:54 Uhr

Wolgast | Karl Langenberger und Peter Novotny pflegen ein seltenes Hobby. Sie taxieren Trophäen, Jagdtrophäen. Beide sind Jäger und seit Jahren Mitglied der Bewertungskommission des Landesjagdverbandes. Ihre Zuständigkeit: Rehbockgehörne. In ihrer Laufbahn haben sie die protzigsten Zacken vermessen, gewogen und nach den Regeln des Internationalen Jagdrates (CIC) bepunktet. Wirklich starke Stücke waren darunter und so mancher Punkterekord. Das, was sie bei der jüngsten Landesbewertung in Klink an der Müritz auf den Tisch bekamen, sprengte jedoch ihr Vorstellungsvermögen - ein sensationelles Gehörn aus der Nähe von Wolgast: bis 30 Zentimeter hoch die Stangen und 636 Gramm schwer, dazu enormes Volumen, Perlung und alles andere, was Zähler bringt. Am Ende der Bewertungsprozedur schrieben Langenberger und Novotny 185,35 Punkte ins Protokoll. Das ist neuer deutscher Rekord. Seit Beginn der CIC-Aufzeichnungen ist zwischen Schwarzwald und Insel Rügen kein Gehörn mit einem solchen Format bekannt geworden. Es geht in die Annalen ein. Der bis dato geltende Bestwert von 182,73 Punkten stammte von einem 1969 am Südrand des Hohen Flämings (heute Sachsen-Anhalt) geschossenen Bock.

Erlegt wurde der MV-Prachtbock Ende Mai vergangenen Jahres von Gerd Möller aus Groß Ernsthof nahe Wolgast. Der Jagdpächter hatte am Abend auf Wild angesessen. Links weitete sich ein gelbes Rapsfeld, rechts hatte der Landwirt Mais gelegt. Ende Mai, das ist eine stimmungsvolle Jahreszeit, bei der ein abendlicher Ansitz sich eigentlich selbst genügt. Aber dann erschien am Rapsschlag ein Bock mit bombastischem Gehörn. Näher zog er und näher. Möller traute seinen Augen nicht. Der 60-Jährige hatte in seinem Jägerleben unzählige Böcke im Anblick, ein solcher Kämpe aber war ihm nie begegnet. Doch so wie der Unbekannte plötzlich aufgetaucht war, würde er gleich wieder verschwinden, womöglich für alle Zeit. Das ist eine alte Erfahrung. Gerd Möller nutzte seine Chance. Geschichten: Auch über die Herkunft des Möllerschen Rekordbocks entspannen sich unter den hiesigen Järgern welche. Die einen schrieben die Gehörnbeschaffenheit "Restgenen" sibirischer Rehe zu. In der DDR hatte es Kreuzungsversuche gegeben. Andere mutmaßten, dass es sich um einen Südschweden handelte. In Schweden sind Gehörne dieses Kalibers keine Seltenheit. Rehe gelten als ausdauernde Schwimmer. Der Bock könnte also durch die Ostsee … Angesichts solcher Trophäen geht die Phantasie mit Weidmännern und auch -frauen schon mal durch. Aber gerade das macht ja auch die Aura derartiger Exponate aus.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen