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Demmin : Proteste gegen Fackelzug Rechtsextremer

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Ausgerechnet am 8. Mai erinnert die NPD immer wieder an den beispiellosen Massenselbstmord in Demmin am Ende des Zweiten Weltkriegs. Erneut haben viele Menschen dagegen protestiert.

Mit mehreren Aktionen haben demokratische Parteien, Gewerkschaften und Kirchen am Sonntag in Demmin (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) gegen eine Gedenkveranstaltung der rechtsextremen NPD protestiert. Mehrere hundert Menschen beteiligten sich an einem Friedensfest auf dem Markt, einem Friedensgebet in der Sankt-Bartholomaei-Kirche und Demonstrationen zum Tag der Befreiung am 8. Mai. „Unser Anliegen ist Frieden. Das ist mit Nazis nicht zu machen“, sagte Kerstin Lenz vom Aktionsbündnis „Demmin bleibt bunt“. Man wolle keine Rechtsextremen an einem 8. Mai in Demmin.

Pastor Norbert Raasch erinnerte beim Friedensgebet an die 60 Millionen Toten des Zweiten Weltkriegs. „Wir als Demminer gedenken auch all derer, die durch Sowjetsoldaten Gewalt erleben mussten.“ Die Polizei sicherte die abendliche Veranstaltung der Rechtsextremen, bei denen rund 200 Teilnehmer gezählt wurden, mit rund 700 Polizisten ab. Nach gut einer Stunde gelangten die Rechtsextremen am Kundgebungsort an der Peene. Zuvor war es zu zwei kleineren Blockaden unter anderem durch die Landtagsfraktion der Linken mit Fraktionschef Helmut Holter und durch linke Gruppen gekommen. Polizisten begleiteten die NPD-Teilnehmer auch zurück durch die Stadt.

An der großen Stadtkirche hing eine Fahne mit dem Spruch: „Unser Kreuz hat keine Haken.“ In Demmin waren vom 30. April bis 3. Mai 1945 bei einem beispiellosen Massenselbstmord fast 1000 Demminer und Flüchtlinge ums Leben gekommen. Zu DDR-Zeiten durfte darüber nicht gesprochen werden. Die Stadt gedenkt der Opfer von damals seit mehreren Jahren im Januar und zum Volkstrauertag. Man wehre sich aber gegen Versuche Rechtsextremer, das Thema für ihre Propaganda zu verwenden, sagte Bürgermeister Michael Koch (CDU).

Nach Sprengungen der Flussbrücken nach Westen durch Wehrmacht und SS saßen damals russische Panzertruppen, Tausende Flüchtlinge, verängstigte Bewohner und fanatische Hitler-Verehrer tagelang fest.

Es kam zu Vergewaltigungen und anderen Übergriffen von Rotarmisten. Die Stadt brannte zum Großteil nieder.

„Der 8. Mai ist für Deutsche kein Tag zum Feiern“, sagte Pastor Raasch. Aber am 8. Mai 1945 sei Deutschland vom menschenverachtenden System des Nationalsozialismus befreit worden.

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erstellt am 08.Mai.2016 | 20:50 Uhr

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