Landwirte in MV : Protest mit Frühstück

So schmecht regional: Horst Homann, Manfred Bissa, Christine Ploigt (h.v.l.) ließen sich gestern von Sophie Beese (l.), Bauernpräsident Rainer Tietböhl und Nicole Gottschall zeigen, was die regionalen Landwirte zu bieten haben.
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So schmecht regional: Horst Homann, Manfred Bissa, Christine Ploigt (h.v.l.) ließen sich gestern von Sophie Beese (l.), Bauernpräsident Rainer Tietböhl und Nicole Gottschall zeigen, was die regionalen Landwirte zu bieten haben.

Landwirte haben mit besonderen Aktionen auf ihre schwierige Lage aufmerksam gemacht

svz.de von
23. März 2016, 21:00 Uhr

Protest mit Frühstück: Bundesweit haben heute Landwirte Passanten vor Augen geführt, was von dem Geld für ein Frühstück beim Erzeuger ankommt. Im Durchschnitt erreiche nur etwa ein Viertel des Lebensmittelpreises den Landwirt, machte der Bauernverband auf Flyern deutlich. „Wir wollen nicht jammern, sondern den Menschen erklären, was von dem Geld, das sie bezahlen, für uns Bauern übrig bleibt“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Bauernpräsident Rainer Tietböhl am Infostand in Schwerin. Das seien sechs Cent für ein Glas Milch, 13 Cent für das Getreide für ein Kilo Brot und sechs Cent für ein durchschnittliches Ei.

Die Politik müsste nach Ansicht des Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Nordwestmecklenburg, Jörg Haase, regeln, dass der Handel so viel an den Landwirt weiterreicht, dass dieser damit leben könne. „Statt dessen werden wir Bauern als Subventionsempfänger und Bittsteller der Nation dargestellt“, sagte Haase.

Als Ursache für die niedrigen Preise sehen die Landwirte das Überangebot, vor allem bei Milch. Es sei durch den Russland-Boykott, die Kriege in Nordafrika und die schwächere Nachfrage in China entstanden, aber auch durch die Überproduktion und den Verdrängungswettbewerb in Europa.

In den vergangenen Jahren hätten viele Landwirte investiert – animiert durch Programme wie das für mehr Tierwohl – und sich dafür hoch verschuldet. Das falle ihnen jetzt auf die Füße. Manchen Bauern rette derzeit nur das Windrad auf seiner Fläche. Unverständnis zeigte Haase dafür, dass Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) eine weitere Fusion im Lebensmitteleinzelhandel zuließ, was die Position der Erzeuger bei Preisverhandlungen weiter schwäche.

Laut Bauernverband verliert jeder Milchbauer derzeit pro Kuh 1000 Euro pro Jahr. Aber auch Schweinehalter und Ackerbauern machten Miese.Tietböhl hält die Krise in der Landwirtschaft in Deutschland für so wichtig wie die Flüchtlingskrise. Er prophezeit der Landwirtschaft einen rasanten Strukturwandel: Tierhaltungsbetriebe würden aufgeben, ihre Leute in die Arbeitslosigkeit schicken und nur noch Ackerbau betreiben. „Wir werden einen Strukturwandel bekommen, den keiner will“, sagte er.

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